Bienen und Politik

Von Ute Hallaschka, April 2014

»Der Imker«, ein Dokumentarfilm von Mano Khalil erzählt die Lebensgeschichte von Ibrahim Gezer. Er ist Kurde, in einem entlegenen Bergdorf führt er mit seiner großen Familie und 500 Bienenvölkern ein beschauliches Dasein, bis ihn der türkisch-kurdische Konflikt zum mittellosen Flüchtling macht, der Asyl in der Schweiz sucht. Die Ironie der Geschichte – ausgerechnet in der Schweiz, die gerade per Volksentscheid ihre Furcht vor Überfremdung dokumentiert hat, feierte dieser Film einen Überraschungserfolg.

Die rund zweistündige Doku wird präsentiert vom Bravehearts Filmverleih, gefördert u.a. von der Heinrich Böll Stiftung, der UNO Flüchtlingshilfe und der GLS Bank. Beworben wird der Film als eine Novelle der Hoffnung. Eine Liebeserklärung an das Leben, in dem ein Mensch trotz schwerer Schicksalsschläge nicht den Glauben an das Gute  verliert. Ibrahim Gezer ist sicher ein außergewöhnlicher Charakter, seine Warmherzigkeit, sein Humor, seine Güte sind unmittelbares Erlebnis. Dennoch fragt man sich, was dieser Film eigentlich erzählen will. Das beginnt mit der Technik. Es wird Spontaneität suggeriert, aber natürlich sind die Szenen in den Ämtern gestellt, sie können nicht einfach ohne Absprache gedreht werden. Was jedoch viel wichtiger ist: der politische Hintergrund, vor dem das Ganze sich ereignet, ist ständig präsent und wird mit keinem Wort erhellt. Der Imker spricht von Kurdistan und seinen Söhnen in der Guerilla. Kein Wort fällt von der PKK, die bekanntlich als Terror-Organisation fungiert, einen Nationalstaat errichten will und ihre Aktivitäten mit Drogengeschäften und Schutzgelderpressungen finanziert. Vorgeführt werden die Mühlen des staatlichen Beschäftigungsprogramms, in die der Imker gerät. Aber schuld daran ist die falsche Altersangabe in seinem Pass. Die Auskunft dazu lautet, dass kurdische Familien in der Türkei ihre Söhne jünger registrieren lassen, damit sie möglichst viele Nachkommen zeugen können, ehe sie zum Militär eingezogen werden. Was hier an Fragwürdigkeit erscheint, wird in keiner Weise thematisiert. Wenn wir dann am Ende überlang die Folklore einer kurdischen Hochzeit sehen, stellen sich wiederum Fragen ein zur bekannten Problematik der Stellung der Frauen. All dies blendet der Film aus.

Eine Dokumentation, die wie ein Spielfilm heftig ans Gemüt appelliert und zugleich unreflektiert, in scheinbar naiver Manier politische Aussagen trifft, das geht als Kunstwerk auf keinen Fall gut.

Der Imker, Schweiz 2013, 114 Min., FSK ab 12 Jahren, Regie: Mano Khalil, Darsteller: Ibrahim Gezer  

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