Doppelgänger

Von Ute Hallaschka, März 2019

Frido (Luis Vorbach) und sein bester Freund Emil (Jona Gaenssien) gehen in die vierte Klasse – damit steht die berühmte Eignungsfrage fürs Gymnasium bevor. Die beiden Freunde haben ganz verschiedene Sorgen.

Der fröhliche Frido bekommt trotz Nachhilfe dauernd schlechte Noten und Emil der uncoole Schlaumeier wird gemobbt und von seiner Helikopter-Mutter drangsaliert. Während sich seine Eltern beim Schulsprechtag streiten, haut Frido ab und landet auf dem Jahrmarkt in einem geheimnisvollen Spiegelkabinett. Plötzlich beginnt sein Spiegelbild zu sprechen und macht ihm ein verlockendes Angebot. Frido-2 ist das perfekte Gegenstück und kann alles, was Frido-1 nicht schafft. So reicht dieser ihm die Hand und zieht jenen aus dem Spiegel. Als echtes Kind der Gegenwart macht er aber zuerst einen Test, und ja – Frido-2 kann die gestellten Matheaufgaben in Windeseile lösen. Für das zukünftige Doppelleben gibt es drei Bedingungen: Spiegel sind zu meiden, sie dürfen nie gemeinsam gesehen werden und Frido-1 darf niemandem von seinem Doppelgänger erzählen. Das geht natürlich nicht lange gut. Der schlaue Emil findet es heraus und lässt ebenfalls sein Spiegelbild ins Leben.

Im Folgenden ereignen sich die unglaublichsten und schrägsten Szenen. Emil-2 geht weder zur Ergotherapie, noch spielt er Geige und Frido-2, das Genie, räumt begeistert sein Zimmer auf und wird Klassenbester. Frau Klawitter, die Klassenlehrerin, allerkomischst dargestellt von Margarita Broich, weiß bald nicht mehr, wo ihr der Kopf steht. Inzwischen haben alle Kinder ihr Spiegelbild befreit und in den Bänken hockt eine Leistungselite, die nach mehr und schwereren Hausaufgaben verlangt. Die echten Kinder haben sich in einem Camp im stillgelegten Schwimmbad eingerichtet. Doch es ist Winter, es wird kalt und das Essen geht zur Neige. Das entscheidende Problem ist jedoch, dass die Doppelgänger allmählich die Macht übernehmen. Sie haben keine Lust in den Spiegel zurückzukehren. Um die Geister wieder loszuwerden, gibt es nur einen Weg – er hat mit Freundschaft, Treue und Solidarität zu tun und mit dem Vertrauen in die Lehrerin, die dazu gebraucht wird.

Es ist ein wundervoller Film geworden, warmherzig, klug und so komisch, dass man gelegentlich vor Lachen vom Kinosessel fallen könnte. Doch das Thema könnte nicht ernster sein – wir sind es ja, die das Gespenst der Leistungsgesellschaft immer früher in der Kindheit hervorrufen. Auch wenn es viel zu lachen gibt, inklusive einer echten Tortenschlacht – dieser Film hält den Erwachsenen einen Spiegel vor, der alles andere als zauberhaft ist. Unbedingt sehenswert.

Film: Unheimlich perfekte Freunde, Komödie, Regie: Markus H. Rosenmüller, 92 Min., Deutschland 2019

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