Drucken gegen Druck

Von Mathias Maurer, April 2018

Eine Frau steht vor einer folgenreichen Entscheidung: Drucken oder nicht.

Katherine Graham (Meryl Streep) ist die Inhaberin der Washington Post. Gegen ihre Vertrauten aus Politik, Wirtschaft und Unternehmensvorstand stimmt sie der Veröffentlichung von streng geheimen Unterlagen zu, die die jahrzehntelange Betreibung des Vietnamkriegs durch höchste Staatsträger unter systematischer Desinformation der Weltöffentlichkeit offenlegen.

Mit ihrer einsamen schicksalshaften Entscheidung riskiert Graham nicht nur den finanziellen Ruin ihres Unternehmens, das kurz zuvor an die Börse gegangen ist, sondern es droht ihr eine Gefängnisstrafe wegen Hochverrats. Sie hält dagegen: »Ich habe eine Verantwortung für diese Firma, aber ich habe auch eine Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit, dem Wohlergehen der Nation und den Prinzipien der freien Presse.«

Zuvor hatte die New York Times erste Teile aus den sogenannten Pentagon Papers veröffentlicht. Daraufhin setzte die Regierung ein Publikationsverbot durch. Als die Washington Post – die ebenfalls an das siebentausend Seiten lange geheime Dossier des damaligen Verteidigungsministers McNamara gelangt – dennoch veröffentlicht, steht für die Pressefreiheit alles auf dem Spiel.

Es kommt zur alles entscheidenden Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten vom 30. Juni 1971. Dieser entscheidet: »Die Presse soll den Regierten dienen, nicht den Regierenden« und läutet damit das Ende des Vietnamkrieges ein. Die Stabilität der politischen Führung gerät ins Wanken, Nixon tobt, wenig später stürzt ihn der Watergate-Skandal.

Der damalige Chefredakteur der Washington Post Ben Bradlee (Tom Hanks) stemmte sich mit seiner Chefin gegen die Macht der politischen und wirtschaftlichen Einflussnahme auf seine unabhängige Zeitung mit dem Satz: »Der einzige Schutz für das Recht der Veröffentlichung ist die Veröffentlichung« – ein Ethos, das in Zeiten feiger, gekaufter, verfolgter und inhaftierter Journalisten nicht laut und oft genug vertreten werden muss und nichts an Aktualität eingebüßt hat.

»Die Verlegerin« von Steven Spielberg macht Mut, für die Pressefreiheit als gesellschaftliches Korrektiv einzustehen und den Machthabern Paroli zu bieten; ein Film, der den Vorwurf der »Lügenpresse« zurückweist an die, die in Wirklichkeit lügen und meinen, dass man nicht regieren könne, »ohne Geheimnisse zu wahren«.     

Die Verlegerin, Drama, Thriller, Regie: Steven Spielberg, mit Meryl Streep, Tom Hanks, USA 2017, 117 Min., FKS 6

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