Keine Hexerei

Von Ute Hallaschka, Februar 2018

2017 feierte Otfried Preußlers »Die kleine Hexe« 60-jähriges Jubiläum. Der Kinderbuch-Klassiker wurde bereits in 47 Sprachen übersetzt und begleitet nun schon viele Kindergenerationen. Jetzt wurde das Buch von Michael Schaerer verfilmt.

Wir erinnern uns: Im zarten Alter von 127 Jahren darf sie noch nicht am nächtlichen Walpurgistanz der Hexen auf dem Blocksberg teilnehmen. Sie schleicht trotzdem hin, wird erwischt und muss zur Strafe sämtliche 7892 Sprüche aus dem Zauberbuch auswendig lernen. Sie bekommt eine Probezeit, um zu beweisen, dass sie eine gute Hexe ist. Gute Hexen sind bekanntlich böse und zum Entzücken aller Kinder schafft es die liebenswert chaotische kleine Hexe mit ihrer Güte das Böse zu überwinden.

Soweit die Urbilder und das ist das Problem dieser Verfilmung, sie wollen sich nicht einstellen. Dabei ist die gute Absicht unverkennbar. Der Verzicht auf Modernität, alles im besten Sinne, bis ins Detail idyllisch eingerichtet und ausgestattet.

Die Hauptrolle spielt Karoline Herfurth, die böse Hexe Rumpumpel wird von Suzanne von Borsody dargestellt und dem sprechenden Raben Abraxas leiht Axel Prahl, der Münsteraner Tatort-Kommissar, seine Stimme. Karoline Herfurth will die Verwandlung ins Magische nicht recht gelingen. Sie bleibt allzu menschlich und streckenweise erinnert ihre Darstellung eher an das bekannte »Pubertier«. Es gelingt ihr nicht, der Figur die Intelligenz der Naivität zu verleihen, welche diese so zauberhaft macht. Anders Suzanne von Borsody, die mit einer erfrischenden Bosheit ihrer Rumpumpel aufwartet. Eine Freude ist auch Axel Prahl mit der Zärtlichkeit und Innigkeit, die er Abraxas buchstäblich zuspricht. Vielleicht liegt es überhaupt an der Tonlage, der Stimme, die hier für Stimmigkeit sorgt, oder eben nicht.

Ein anderes Dilemma ist die Filmtechnik und der Schnitt. Beides sehr merkwürdig und nicht nachvollziehbar. Ständig sind abwechselnd die Vorder- und Hintergründe der einzelnen Bilder unscharf und verschwommen als würde man einen 3D-Film ohne Brille sehen. Dazu häufig Bildsequenzen, in denen ein Teil der Szenerie abgeschnitten wird. Spielt eine Szene beispielsweise am Boden, wo ein Detail fokussiert wird, dann steht daneben ein Paar Beine, das an der Hüfte endet. Auch die Übergänge wirken unmotiviert, hektisch und abrupt. Das alles korrumpiert das Sehen und sorgt für Irritation statt Zauber. Schade!

Die kleine Hexe, Fantasy-Film, 103 Min. FSK 0, Deutschland 2018