Kulturkolonialismus?

Von Anselm Killian, Oktober 2010

Leserbrief zu: Sizilianische Eurythmie. Grande Spettacolo der Waldorfschule Palermo (Juli 2010)

Als in Frankreich lebender deutscher Waldorf-Musiklehrer muss ich auf einen Aspekt Ihres Artikels über eine Eurythmie-Aufführung in Palermo besonders sensibel reagieren: es entsteht hier der unangenehme Eindruck, dass die im deutschen Kulturkreis entstandene Waldorfschule sich in anderen Kulturkreisen wie ein Kolonisator gebärdet. Warum entstammen sämtliche Dichter und drei der fünf Komponisten des besagten spettacolo dem deutschen Sprachraum? Anders gesagt: wie kann man in einem so hoch kulturellen Land wie Italien eine Eurythmie-Aufführung (und noch dazu die erste in dieser Stadt) ohne einen einzigen italienischen Autor konzipieren? Grenzt es nicht an Respektlosigkeit, dem Publikum lauter Übersetzungen anzubieten?

Ich unterstelle niemandem irgendeine Absicht, aber ich sehe eine Haltung, die leicht als deutsche Überheblichkeit oder mangelnde Sensibilität interpretiert werden kann.

Wenn Waldorfschulen in anderen Ländern Fuß fassen wollen, kommen sie nicht darum herum, sich an die dortige Kultur anzubinden. Dies sollte man immer bedenken! 

 

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