Freud und Leid der Wahrheitssuche

Von Anne Garbe, Oktober 2015

Leserbrief zum Interview mit Daniele Ganser, Erziehungskunst Oktober 2015.

Das Interview mit Daniele Ganser hat mich sehr erfreut! Vielen Dank, dass Sie diesen Friedensforscher zu Wort kommen lassen. Seine klaren Fragen rufen auf, die Zeitereignisse mit größerer Wachsamkeit zu hinterfragen. Man spürt: »Verschwörungstheorie« ist eine Unterstellung, die auf denjenigen zurückfällt, der sie gebraucht. Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Menschen noch blind den Medien vertrauen. Das haben wir schon zu DDR-Zeiten üben müssen, »zwischen den Zeilen« lesen zu lernen. Wer sich auf die Suche nach Wahrheit begibt, dessen Weltbild kann ins Wanken geraten.

Doch der Beitrag zum Morgenspruch tat weh. Ist das »Kreativität« junger Autoren? In meiner Klasse bemühe ich mich, diesen Spruch ernst zu nehmen, ihn mit den Kindern immer wieder neu zu sprechen, damit er täglich zum Erlebnis werden kann. Schon im letzten Schuljahr waren einige Kinder gespannt auf den neuen Spruch, den sie nun in der 5. Klasse bekommen haben. Ich habe den Eindruck, wir können ihn einigermaßen innerlich miteinander sprechen. Immerhin soll er bis zur 13. Klasse lebendig bleiben.

Selbstverständlich ist es notwendig, dass sich junge Menschen auf ihre Art mit diesem Spruch befassen, gern auch in ungewöhnlicher Weise, denn es gibt nichts Schlimmeres, als geleierte Morgensprüche, was immer dann passiert, wenn man sich zu wenig mit dem Inhalt befasst. Aber da es in diesem Falle Bilder sind – und die prägen sich tiefer ein als Worte! –, finde ich es höchst problematisch, praktisch allen Kindern und Eltern deutscher Waldorfschulen eine solche Botschaft nach Hause zu tragen. Nach so banalen Bildern wird es schwer sein, den spirituellen Gehalt dieser Worte wieder aufleben zu lassen!

Anne Garbe, Klassenlehrerin FWS Jena

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