Keine Spielräume mehr. Fachtagung »Spielen ist Kinderrecht« in Berlin

Von Olivia Girard, Februar 2015

Freies Spielen ist nicht nur lebenswichtig für die gesunde Entwicklung des Kindes, sondern ein Kinderrecht. Um dieses Recht mehr ins Bewusstsein zu heben und Handlungsforderungen für die Umsetzung zu formulieren, fand in Berlin eine bundesweite Fachtagung statt, die vom Deutschen Kinderhilfswerk, der National Coalition Deutschland – Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention und der International Play Association (IPA) organisiert wurde.

Hintergrund der Tagung »Spielen ist ein Kinderrecht« ist die Umsetzung des Artikels 31 der UN-Kinderrechtskonvention (1989), in dem festgelegt wird, dass Kinder ein Recht auf freies Spiel, Freizeit und Erholung haben. Dieses Recht wird von immer weniger Bildungseinrichtungen berücksichtigt, oft sogar das freie Spielen mit spielerischem Lernen verwechselt oder gleichgesetzt. Aufgrund der Wichtigkeit des kindlichen Spielens hat die Kinderrechtskonvention diesem sogar einen eigenen Artikel gewidmet.

Etwa hundert Fachleute aus ganz Deutschland aus verschiedenen NGOs, Bildungseinrichtungen, Gemeinden und Vereinen sowie Vertreter des Bundestages und Ministerien tauschten sich in Arbeitsgruppen zum Thema aus. Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes veröffentlichte im April 2013 allgemeine Kommentare dazu.

Der Artikel 31 »Recht des Kindes auf Ruhe und Freizeit, auf Spiel und altersgemäße aktive Erholung sowie auf freie Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben« regelt die Anerkennung und staatliche Förderung der kulturellen und künstlerischen Freizeitansprüche von Kindern und Jugendlichen. Die Kernelemente des Artikels 31 »freies Spiel«, »freie Zeit«, »aktive Erholung«, »altersgemäße Förderung«, »Freizeitaktivitäten«, »kulturelle und künstlerische Beteiligung« und »freie gesellschaftliche Teilhabe« erfassen die Grundzüge der demokratischen Freiheitsrechte des Kindes. Durch den UN-Ausschuss wurde festgestellt, dass Kindern Freiräume und freie Zeit zum nicht reglementierten Spiel fehlen.

Gemeinsam mit dem Bündnis Recht auf Spiel hat das Deutsche Kinderhilfswerk in den spezifischen Handlungsfeldern einige Defizite identifiziert und im Juni 2013 auf Grundlage des Kommentars des UN-Ausschusses eine Einschätzung aus deutscher Perspektive zur Umsetzung des Artikels 31 in Deutschland formuliert. Als Ergebnis entstanden im März 2014 auf einer bündnisinternen Tagung von spielinteressierten Fachleuten und Organisationen spezifische Kernelemente und Hauptforderungen zum Recht auf Spiel in Deutschland. Diese Thesen wurden dann in der Fachtagung im Januar 2015 in den Arbeitsgruppen zu konkreten politischen Handlungsforderungen weiterentwickelt. In einem nächsten Schritt, der noch im Jahr 2015 erfolgen wird, sollen die konkreten politischen Forderungen als Grundlage für Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern dienen. Perspektivisch soll an einem Runden Tisch mit Landespolitikern ein Aktionsplan auf Länderebene für das Recht auf Spiel entstehen.

Kinderspiel ist Überlebensgrundlage einer zukunftsfähigen Gesellschaft, sagte in seinem Redebeitrag Lothar Krappmann (ehem. Mitglied im UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes). Immer mehr wird eingesehen, dass kreative Menschen benötigt werden. Die kindliche Neugier soll deshalb erhalten bleiben und gefördert werden. Spielen und Lernen gehören zusammen, aber viel mehr geht es um das freie Spiel, denn Kinder interessieren sich mehr für das Unfertige, für das, womit sie sich innerlich aktiv verbinden können, aus ihrem ganz persönlichen Impuls heraus. Nichts, was vorgegeben, vorgefertigt oder geführt ist, hat mit freiem Spielen zu tun. Das Spiel hat seinen Zweck in sich. Uta Navidi (ehemalige Vize-Präsidentin der IPA Europa) ergänzte, dass das Spiel für Kinder so fundamental ist, wie essen und schlafen und wir deshalb eine Bewegung brauchen, eine Kampagne auf allen Ebenen, um Kindern dieses fundamentale Recht zu sichern. Für Bildungseinrichtungen gelte es dann, nicht nur für kleine Kinder, sondern auch für Jugendliche in der gesamten Schulzeit – insbesondere in der Ganztagsbetreuung – Räume für freies Spiel sowie für Rückzug zu schaffen und auch Freizeit zu ermöglichen.

Links:

www.dkhw.de | www.ipaworld.org | www.netzwerk-kinderrechte.de | www.recht-auf-spiel.de

Zur Autorin: Olivia Girard ist Öffentlichkeitsarbeiterin und Projektkoordinatorin des WOW-Days bei den »Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.« und studiert zur Zeit »Childhood Studies and Children’s Rights« an der FU Berlin.

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