Neues Forschungsprojekt zum Rubikon sucht Eltern

Von Bettina Berger, Axel Föller-Mancini, David Martin, März 2015

Außerhalb der Waldorfschulen ist der Begriff »Rubikon«, der für einen möglicherweise krisenhaften Entwicklungsschritt der Kinder in der mittleren Kindheit steht, so gut wie unbekannt. Man spricht weder von der Verletzlichkeit der Kinder noch über ihre existenziellen emotionalen Verunsicherungen in dieser Phase. Eltern sind gleichermaßen verunsichert, was mit ihren Kindern passiert. Haben sie etwas falsch gemacht, wenn ihre Kinder davon sprechen, dass sie sich neue Eltern suchen wollen, oder wenn sie plötzlich mit neun Jahren eine Taschenlampe zum Einschlafen benötigen?

Foto: © Nailia Schwarz/Fotolia

Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Universität Witten/Herdecke in Kooperation mit der Kinderklinik der Universität Tübingen und der Alanus Hochschule in Alfter wollen wir den Fragen nachgehen, ob der Rubikon bei allen Kindern stattfindet, wenn ja, zu welcher Zeit, wovon er beeinflusst wird, und ob es Faktoren gibt, die diesen Entwicklungsschritt fördern oder hemmen. Wir halten diese Forschung für ausgesprochen wichtig, da in der mittleren Kindheit gehäuft emotionale Störungen oder Verhaltensauffälligkeiten wie die sogenannten »neuen Kinderkrankheiten« auftreten. Dies kann ursächlich damit zusammenhängen, dass durch mangelnde Kenntnis dieser Phase in der Kindheitsmitte die existenziellen Herausforderungen, vor denen Kinder und Eltern in diesem Alter stehen, nicht ausreichend verstanden und begleitet werden.

Insbesondere interessiert uns zurzeit, ob wir diesen Prozess mit den üblichen Methoden der Entwicklungspsychologie wahrnehmbar und verstehbar machen können. Deshalb haben wir in den vergangenen zwei Jahren Eltern von Kindern in Waldorf- und Grundschulen, Schulärzte und Betreuer danach befragt, welche Veränderungen sie an ihren Kindern beobachten und einen Fragebogen für Eltern entwickelt. Der Fragebogen soll helfen, die Veränderungen in der mittleren Kindheit als einen normalen Entwicklungsprozess wahrnehmbar zu machen. Deutschlandweit soll er an rund 1.000 Eltern von Waldorf- und Grundschulen verteilt werden. Wir bieten an den Schulen jahrgangsübergreifende Elternabende an, an denen wir unsere bisherigen Forschungsergebnisse und das Projekt vorstellen. Die teilnehmenden Eltern werden gebeten, den Fragebogen dreimal, jeweils im Abstand von 3-5 Monaten auszufüllen. Sie erhalten eine Elterninformation mit Kontaktinformationen der Studienleitung, den Rubikon-Elternfragebogen, einen weiteren Fragebogen als Kontrollfragebogen, eine Einverständniserklärung sowie frankierte und adressierte Briefumschläge. Nach Ablauf eines Jahres laden wir die teilnehmenden Eltern zu einem Abschluss-Elternabend ein, bei dem Gelegenheit zu Rückmeldungen und Austausch besteht.

Kontakt: Dr. Bettina Berger, Gerhard Kienle Lehrstuhl der Universität Witten/Herdecke, bettina.berger(at)uni-wh.de; Tel.: 0 23 30/80 71 90. Das Forschungsprojekt wird von der Mahle-Stiftung in Stuttgart unterstützt.

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