Reiseapotheke für Kinder

Von Natascha Hövener, Juli 2013

Marie verletzt sich beim Spielen am Strand, Jannis fällt vom Rad, Paul bekommt plötzlich Fieber – auch im Urlaub liegen bei Kindern Gesundheit und Krankheit oft nah beieinander. Deshalb lohnt es sich, eine Reiseapotheke für Kinder zusammenzustellen, um bei Bagatellerkrankungen und leichten Unfällen schnell und unkompliziert Hilfe leisten zu können. Dennoch: Bei heftigen und länger andauernden Beschwerden sollte auch auf Reisen unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Bei kleineren nichtblutenden Verletzungen, Stauchungen, Zerrungen ist Arnika das Mittel der Wahl. (Foto: CC BY-SA 3.0. Fotografiert von Thomas Mathis. Borstgrasrasen mit Arnika. Schynige Platte, Kt. Bern, CH. Quelle: http://commons.wikimedia.org)

Magen-Darm-Probleme

Wenn bei der so genannten »Reisekrankheit« Übelkeit und Schwindel gemeinsam auftreten, sind Nausyn-Tabletten (Weleda) eine gute Wahl. Allgemein wirkt bei Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen die Brechnuss (Nux vomica) sehr gut, die Muskatnuss (Nux moschata) beruhigend und ebenfalls krampflösend. Bei Reisen gehört Nux vomica comp. (Weleda) deshalb unbedingt in die Reiseapotheke. Treten leichte und akute Durchfälle auf, kann Birkenkohle Linderung schaffen, allerdings sollte sie bei Kindern unter zwölf Jahren nicht angewendet werden (Weleda, Kapseln).

Wann zum Arzt? Wenn Säuglinge sich erbrechen oder Durchfall haben, wenn ein Kind ständig erbricht und nichts bei sich behalten kann, wenn weitere Symptome wie Fieber, Durchfall, Ohrenschmerzen oder Apathie hinzukommen, wenn das Erbrechen nach einem Unfall auftritt, bei anhaltenden Bauchschmerzen in der Nabelgegend oder im rechten Unterbauch (Verdacht auf Blinddarmentzündung), wenn sich der Durchfall nicht nach zwei Tagen bessert, bei zusätzlichen Symptomen wie Kreislaufbeschwerden und starker Gewichtsabnahme.

Sonnenbrand und Insektenstiche

Sonne gehört natürlich dazu, aber was tun, wenn die zarte Kinderhaut doch einen leichten Sonnenbrand abbekommen hat? Bei leichten Verbrennungen, Verbrühungen und Sonnenbrand hilft Combudoron Gel (Weleda). Das Gel kühlt, lindert den Schmerz und unterstützt die Hautregeneration. Das Gel kann auch gut bei Insektenstichen eingesetzt werden und wirkt Entzündungen entgegen. Außerdem kann die Behandlung, gerade bei Juckreiz, mit Wund- und Brandgel (Wala) fortgesetzt werden. Bei Sonnenbrand sollte zusätzlich auf eine ausreichende Flüssigkeits- und Salzzufuhr geachtet werden.

Wann zum Arzt? Bei starkem Sonnenbrand mit Blasenbildung und/oder wenn Übelkeit, Kreislauf­-beschwerden, Schüttelfrost, Fieber oder eine Bewusstseinstrübung hinzukommen.

Außerdem: Wenn Säuglinge Brandwunden haben, bei Verbrennungen im Gesicht, wenn Kleidung mit der Wunde verklebt ist, wenn die Verbrennungen ausgedehnt sind, bei Insektenstichen im Mund- und Rachenraum oder am Augenlid – und vor allem, wenn bei Insektenstichen eine allergische Reaktion einsetzt, sofort zum Notarzt!

Erste Hilfe bei kleinen Unfällen

Bei kleineren Schürf- oder Schnittwunden fördert Calendula die rasche Wundheilung und die Regeneration der Haut, zum Beispiel die Calendula Wundsalbe (Weleda). Ein anderes Präparat ist die Calcea Wund- und Heilcreme (Wala). Grundsätzlich sollte die Wunde nach der Erstversorgung zunächst trocken und steril abgedeckt werden. Achtung: Ist der Tetanusschutz noch ausreichend? Schnelle erste Hilfe bei stumpfen Verletzungen bietet die Arnika: Sie wirkt schmerzlindernd und lässt Schwellungen und Blutergüsse rasch abklingen. Verletztes Gewebe wird regeneriert und der Heilungsvorgang gefördert. Wichtig ist die rasche Behandlung: Je früher sie angewandt wird, desto effektiver wirkt die Arnika, die es – angenehm kühlend – als Gelee (Weleda), Wundtücher (Wala) und auch als Essenz für Umschläge gibt. Die Essenz sollte bei Kindern unter einem Jahr nicht angewendet werden. In allen Altersstufen kann bei Prellungen und Quetschungen Arnika auch innerlich als Globuli gegeben werden: Arnica e planta tota D6 Globuli velati (Wala). Grundsätzlich heilen Verstauchungen und Zerrungen schneller, wenn die betroffene Stelle 30 bis 45 Minuten gekühlt wird. Ein Tuch zwischen Eisbeutel oder Kühlkompresse und der Haut schützt dabei vor Erfrierungen. Zusätzlich sollte man das verletzte Körperteil hoch lagern, um das Abschwellen zu unterstützen.

Wann zum Arzt? Bei stark blutenden oder sehr verschmutzten Wunden, bei Bissverletzungen, Verätzungen oder Stromunfällen, bei Kopf- und Augenverletzungen, bei starker Vereiterung, bei tief gehenden Verletzungen oder tief eingedrungenem Fremdkörper oder wenn kein ausreichender Tetanusimpfschutz besteht. Bei stumpfen Verletzungen sollte man zum Arzt, wenn die Schwellung sehr stark und schnell auftritt und sehr schmerzhaft ist, wenn die Beweglichkeit deutlich eingeschränkt ist, wenn ein Gelenk oder der Kopf verletzt ist oder bei Verdacht auf einen Knochenbruch.

Erkältungskrankheiten

Vor Erkältungskrankheiten sind Kinder auch im warmen Klima nicht geschützt, einen grippalen Infekt fängt man sich auf Reisen schnell ein.

Natürlich gibt es eine Vielzahl von anthroposophischen oder homöopathischen Mitteln gegen die verschiedenen Symptome – eine gute Basis für die Reiseapotheke sind sicherlich Ferrum phosphoricum comp. Streukügelchen (Weleda) oder Meteoreisen Globuli velati (Wala). Werden die Globuli rechtzeitig bei den ersten Erkältungsanzeichen eingenommen, können sie den vollständigen Ausbruch der Erkältung oft noch verhindern oder abmildern. Auch nach Ausbruch einer Erkältung aktivieren die Globuli die Vorgänge im Körper, mit denen der Organismus Entzündungen entgegenwirkt.

Wann zum Arzt? Wenn die Symptome darauf hinweisen, dass es sich um eine »echte« Grippe handelt, bei längerem Fieber über 39 Grad, bei Krämpfen, beschwerlicher Atmung, Auswurf, bei großem Schwächegefühl oder Schüttelfrost – und natürlich auch, wenn man insgesamt unsicher ist.

Zur Autorin: Natascha Hövener ist Pressesprecherin des Dachverbandes Anthropo-sophische Medizin in Deutschland (DAMiD).

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