Welches Licht ist gut für mich und mein Kind? Gesundheitliche Aspekte von LEDs

Von Ulrike Wendt, September 2019

Dass wir es heute zu jeder gewünschten Zeit genauso hell haben, wie wir wollen, ist eine Selbstverständlichkeit – falls nicht ausnahmsweise der Strom ausfällt und man verzweifelt im Dunkeln nach Reservekerzen und Streichhölzern tastet.

Foto: © Ramil Gibadullin/stock.adobe.com

Und doch ist es gerade erst 140 Jahre her, dass Thomas Alva Edison die Glühlampe zum allgemein verfügbaren Leuchtmittel machte. Voraussetzung dafür war die flächendeckende Elektrifizierung, zunächst der amerikanischen Städte. Darüber gab es gleich zu Beginn einen heftigen öffentlichen Streit: Mit allen Mitteln, von publizistisch wirksamer Platzierung seiner Argumente bis zur unlauteren Diffamierung des Gegners, bekämpfte Edison als Verfechter eines Gleichstromnetzes den Investor George Westinghouse, der mit Hilfe des genialen Ingenieurs Nikola Tesla ein Wechselstromnetz aufbauen wollte. Westinghouse gewann den »Stromkrieg«, da sein System effektiver, schneller und kostengünstiger war. Dieser Beginn steht wie ein Omen über allen Fragen der künstlichen Beleuchtung.

Mit dem getakteten Wechselstrom konnte der Netzausbau schnell vorangetrieben werden – trotzdem war Deutschland erst in den 1940er Jahren flächendeckend mit Strom versorgt. Es ist also kaum zwei Generationen her, dass wir es immer und überall hell haben können. Glühlampen oder Halogenglühlampen waren bis 2009 das vorherrschende Leuchtmittel, zumindest im Privathaushalt, denn die flackernden Leuchtstoffröhren oder die Energiesparlampen mit ihrem kaltgrünlichen Licht mochten die meisten Menschen nicht gern in ihren Wohn- oder Schlafzimmern haben.

Der Siegeszug der LED

In den letzten zehn Jahren hat sich der Lichtmarkt komplett gewandelt: Ende des letzten Jahrtausends begann die Entwicklung und gleich darauf der weltumspannende Siegeszug der »light-emitting diodes«, kurz LEDs, zu Beleuchtungszwecken. Zunächst gab es nur rote, gelbe und grüne Dioden, die eine sehr geringe Leistung hatten, sie wurden in der Signaltechnik, für Taschenrechner und Digitaluhren eingesetzt. Weißes Licht konnte mit der LED-Technik zunächst überhaupt nicht erzeugt werden. Erst die japanische Entwicklung sehr energieeffizienter blauer Leuchtdioden in den 1990er Jahren machte die LED für die Beleuchtungstechnik interessant. Denn wenn diese blauen LEDs auf einen Konverterfarbstoff strahlen (meist Phosphor, als orangefarbene Beschichtung auf den kleinen Chips zu sehen), kann »weißes« Licht aller Farbtemperaturen bei geringem Energieverbrauch zur Erscheinung gebracht werden. Die Vorteile der neuen Leuchtmittel liegen auf der Hand: Die Chips sind klein und leicht verbaubar, ermöglichen neue Lampenkonstruktionen und wunderbare Farbeffekte – keine Light-Show ohne LED! – und vor allem: Die Lichtausbeute ist um ein Vielfaches höher als bei den Temperaturstrahlern, bei denen der größte Teil der Energie (bis zu 95 Prozent) als Wärme abgegeben wird.

Die Wärme im Licht hat allerdings auch einen ganz praktischen gesundheitlichen Vorteil: Die dadurch entstehende Reaktionsträgheit verhindert bei Glüh- und Halogenglühlampen, dass die Wechselstromimpulse bis ins Licht hinein durchschlagen, sie sind fast alle komplett flimmerfrei. Das ist bei Leuchtstofflampen und noch mehr bei den LEDs anders: Lichtflimmern gehört hier zu den unangenehmen und schädlichen Nebeneffekten, die bisher nicht zuverlässig in den Griff zu bekommen sind.

Die Bedeutung des Lichts für das innere Leben

Ab 2005 hat in der EU die Umsetzung und ständige Weiterentwicklung von Ökodesign-Richtlinien begonnen, die den Energieverbrauch verschiedenster Produkte bindend regeln. Der Fokus liegt ausschließlich auf der Energieeinsparung, Licht ist als »sichtbarer Teil des elektromagnetischen Spektrums« definiert. Damit sind die lebenswichtigen Ultraviolett- und Infrarot-Anteile des Lichtes nicht mehr erfasst. Viele seiner Wirkungen betreffen aber nicht nur das Sehen, sondern den ganzen Organismus. Mit der definitorischen Festlegung des Lichtbegriffs wurde Licht auf seine technisch-wirtschaftliche Funktion beschränkt. Lichtnormen werden seit hundert Jahren in den lichttechnischen Gesellschaften festgelegt – es geht dabei um das technisch Machbare, wirtschaftlich Rentable. Medizinische oder psychologische Gesichtspunkte fließen in DIN-Normen nicht ein. Trotzdem ist im EU-Recht natürlich auch festgelegt, dass gesundheitliche Folgen in Regelungen einbezogen werden müssen. Im Falle von Licht hat das Scientific Committee on Health, Environmental and Emerging Risks (SCHEER) diese Arbeit übernommen und im Juni 2018, neun Jahre nachdem die Glühlampe verabschiedet war, seinen Abschlussbericht vorgelegt. Es wird darin festgestellt, dass für die »allgemeine, gesunde Bevölkerung« kein LED-Risiko besteht. Allerdings wird auch gesagt, wer nicht zu dieser Gruppe gehört: Kinder, ältere Menschen, Augengeschädigte und photosensible Menschen, also rund 35 Prozent der Bevölkerung, für die Risiken durch LED nicht ausgeschlossen werden können.

Die beiden zentralsten sind dabei:

  • der hohe Blauwert in den LEDs, der technisch bedingt und daher auch bei warmweißen Lampen vorhanden ist. Er schädigt die Augen, gerade bei Kindern. Hier spielen neben der Raumbeleuchtung vor allem die Smartphone-, Tablet- und PC-Bildschirme eine Rolle. Weiterhin ist zu viel blaues Licht den Tag durch für Schlafstörungen in der Nacht verantwortlich, weil der Hormonhaushalt durcheinandergebracht wird;
  • das Lichtflimmern (Flicker- und Stroboskop-Effekt, technisch verschieden, aber in der Wirkung gleich), dessen Wirkung auf den menschlichen Organismus unumstritten negativ ist und im Extremfall zu epileptischen Anfällen führen kann. Der Flimmerwert ist nicht direkt »von außen« zu erkennen und auch in der Produktion schwer zu handhaben, man müsste also theoretisch jede einzelne Lampe nachmessen, um Sicherheit zu haben.

Zu diesen und vielen weiteren Aspekten kommen aber auch Wirkungen, die bisher noch kaum untersucht worden sind. Besondere Bedeutung kommt der Studie von Uwe Geier zu. Er hat in mehreren Untersuchungen in sechs verschiedenen Schulklassen nachweisen können, dass LED-Licht im Vergleich zu Halogenglühlicht bei den Schülern deutlich negative Effekte hat: Die Gedächtnisbildung ist beeinträchtigt – Nacherzählungen sind beispielsweise kürzer; die Kreativität und Phantasiefähigkeit wird deutlich behindert. Erschütternd zu sehen sind die Bilder, die Kinder – bei freier Themenwahl oder auch nach Vorgaben – unter LED malen: die Formen kleiner, die Farben schwächer, der Bildraum eingegrenzt. Auch die sonst behauptete kognitive Anregung durch helles LED-Licht ist nicht gesichert, in einigen Klassen wurden beim Diktat oder Tafelabschrieb mehr Fehler unter LED gemacht als unter Halogenlicht.

Entscheidend ist aber, dass Geiers Studie zeigt, dass Licht viel mehr beeinflusst, als in den technischen Normparametern, und auch noch mehr, als in rein medizinischen Fragestellungen erfasst wird. Der eingeengte physikalische Lichtbegriff hat vergessen lassen, wie sehr wir Menschen nicht nur von der Sonne mit ihrem lebendigen Rhythmus geprägt sind, sondern dass Licht auch für das innere Leben eine tiefe Bedeutung hat.

Netzwerk für gutes Licht

An der Übernahme des Lichtmarkts durch LEDs ist im Moment allerdings wenig zu ändern. – Was kann man tun? Das Netzwerk für gutes Licht hat im letzten Jahr eine Online-Petition gestartet – zunächst, um in der EU auf die im Dezember 2018 verhandelte Neufassung der Ökodesignrichtlinie einzuwirken. Das ist in Teilen auch gelungen: Der Flimmerwert wird 2021 deutlich herabgesetzt werden, die kleinen Halogenstecklampen (»Halopins« mit G9-Fassung) werden zwei Jahre länger verfügbar sein, und es soll eine »Apothekenregelung« eingeführt werden: Lichtsensible Menschen sollen sich alternative Leuchtmittel beschaffen dürfen. Wie genau diese Regelung dann in den einzelnen Staaten umgesetzt wird, ist noch völlig offen.

An uns liegt es, bewusst mit dem Thema umzugehen: In der Auswahl der Leuchtmittel alle Gestaltungsspielräume nutzen – LEDs sind nicht bindend vorgeschrieben. Bildschirmzeiten begrenzen – das gilt auch für die Erwachsenen! Regelmäßig Pausen einlegen, sich bewegen und vor allem: Viel rausgehen! Gerade für Kinder ist hier ein Ausgleich für alle Belastungen durch die allgegenwärtige Elektrizität möglich.

Zur Autorin: Ulrike Wendt ist freischaffende Eurythmistin, arbeitet in der Gesellschaft für Bildekräfteforschung mit und leitet das Projekt »Lichtfragen.info«.

Workshops und Seminare im In- und Ausland, Veröffentlichung zu den Themen Lichtqualität, Eurythmie, Bildekräfteforschung und Meditation.

www.lichtfragen.info

Literatur: U. Geier: »Wie wirkt Kunstlicht auf unsere Kinder?«, in: Erziehungskunst 11/2017

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