Wie viel Mutter braucht das Kind? Erfahrungsbericht einer berufstätigen Mutter

Von Patricia Schmidt-Dilzer, Februar 2011

Berufstätigkeit und Erziehung kleiner Kinder zu vereinbaren ist nicht leicht. Patentrezepte gibt es nicht. Patricia Schmidt-Dilzer, Waldorflehrerin und Initiatorin von »Familie im Wandel«, berichtet von ihren Erfahrungen.

Auf dem Regal in meinem Büro, über all den Schulheften und dem Vorbereitungsmaterial für den Unterricht steht ganz oben, auf einem wackeligen Bücherstapel, ein alter Blumentopf. »Für meine Mama, die ich unendlich liebe« steht darauf in lustigen bunten Kinderbuchstaben geschrieben. Auch eine Blume ist darauf gemalt, die liebe Sonne und ein paar Wolken. Vor vielen Jahren hat mein Sohn ihn an einem Frühlingsmorgen bemalt und mit einer Primel bepflanzt, um ihn mir zum Geburtstag zu schenken. 

Zwei kleine Kinder und dennoch arbeiten? 

Ich hatte gerade an einer kleinen Waldorfschule in den USA die erste Arbeitsstelle angetreten, als sich mein zweites Kind Alexander anmeldete. »Congratulations«, sagte der Arzt, »you are pregnant«. Ich arbeitete bis eine Woche vor dem Geburtstermin. Alexander kam zur Welt und stolz schob ich den Doppelkinderwagen durch den Ort.

Und dennoch – die Schule fehlte mir. Die Klassenzimmer und die Kollegen. Die Aufgabe und die Herausforderungen. Das eigene Geldverdienen. Und so bewarb ich mich am Jahres­ende erneut um eine Stelle. Mit dem kleinen Alex­ander im Maxi Cosi saß ich in der Konferenz und erklärte den Kollegen, wie ich das alles »meistern« würde. Zwischendurch wurde Alexander gestillt. Die Kollegen schauten auf das Kind – dann wieder auf mich … und in aller Liebe erklärten sie, dass ich nach Hause zu meinen Kindern gehöre. Eine Kollegin sprach darüber, dass Mutter und Kind auch noch nach der Geburt viele Jahre tief miteinander verbunden seien. Sie erklärte mir, dass besonders das kleine Kind auf die Lebenskräfte der Mutter angewiesen sei und dass die Mutter etwas wie einen Mantel um das schutzlose, kleine Wesen bilde, dass niemand seine Bedürfnisse so gut erfassen könne wie die Mutter, niemand so zu trösten verstehe. Trotzdem war ich enttäuscht, als man mich zurück nach Hause an den Herd schickte. 

Day Care Center und Kitas 

In Amerika gibt es keinen dreijährigen Mutterschutz so wie in Deutschland. Die Frauen dort gehen in der Regel nach drei oder sechs Monaten zurück zur Arbeit, sonst ist die Stelle weg. Die meisten Kinder kommen in sogenannte Day Care Center, die sich im Idealfall auf dem Weg zur Arbeitsstelle oder aber sogar direkt am Arbeitsplatz befinden. Ganz innovative Einrichtungen haben in den Räumen Kameras installiert und die Mütter können am PC den Tag ihres Kindes verfolgen. Man hat festgestellt, dass die Mütter dann besser und produktiver arbeiten.

Auch in Deutschland weht seit einigen Jahren ein neuer Wind. Wie Pilze sind in den letzten Jahren Ganztageskinderstätten,  sogenannte Kitas, aus dem Boden geschossen. Viele Kindergärten, auch Waldorfkindergärten bieten jetzt – gezwungener Maßen –  ebenfalls Ganztagesbetreuung für die Kleinsten an. Ab dem dritten Lebensmonat kann man jetzt also sein Kind in die Betreuung bringen, um dann zu seiner Arbeit zurückzukehren.

Für viele Familien ist das ein Segen, denn oft ist die Familie auf das zweite Einkommen angewiesen. Für alleinerziehende Frauen ist es auch ein Segen, denn sie müssen sich und ihre Kinder ernähren oder sie haben gute Ausbildungen und einen Lebensplan neben ihrer Mutterschaft.

Alexander war gerade knappe drei Jahre alt, als ich hier in Deutschland wieder zu arbeiten anfing. Die Erzieherin des örtlichen Waldorfkindergartens schaute mich skeptisch an und erklärte mir, dass der »Ich-Einschlag« noch nicht stattgefunden habe, und dass Alexander noch ein halbes Jahr mit mir zu Hause brauche. Aber die nächste nah gelegene – frisch gegründete – Waldorfschule rief, ich musste und wollte arbeiten. So einigten wir uns und das Kind kam nur an den Tagen, an denen ich in der Schule war, in den Kindergarten.

Die nächsten dreizehn Jahre waren geprägt von der Geburt des dritten Kindes, Haushaltsführung, Elternabenden, Mitarbeit in der Schule, Kindergeburtstagen, Berufstätigkeit, Hausbau, Krankheiten, von Glück und Leid. Irgendwann drehte sich das Rad immer schneller und das Ganze war eigentlich nur deswegen tragbar, weil ich als Lehrerin Teilzeit arbeitete und außerdem zumindest nachmittags und auch in den Ferien zu Hause war. Aber um mich herum waren viele andere Mütter, die ganz andere Arbeitszeiten hatten, ihre Kinder noch seltener sahen und viel erschöpfter waren, je nachdem wie ihre persönliche Lebenssituation war, vor allem wie präsent der Vater sein konnte und wie viel Hilfe und Unterstützung  aus dem privaten Umfeld kam. 

Patentlösungen gibt es nicht 

Es gibt keine Patentlösung, es gibt nicht die perfekte Kindheit, die perfekte Familie. Alle Eltern streben nach den richtigen Entscheidungen, nach dem Besten für ihr Kind, dem Besten für die Familie.

Wir sind nicht nur Mütter und Väter, die mit den elterlichen »Rollenerwartungen« des 21. Jahrhunderts kämpfen, wir sind auch Menschen, an die heute unendlich hohe Anforderungen gestellt werden. Nie zuvor haben wir soviel »gewusst« über Erziehung und Lebensführung, noch nie zuvor ist eine Generation so dynamisch und unterschiedlich groß geworden. Jeder und Jede muss für sich selbst  suchen, um das Richtige für die Familie und insbesondere die Kinder zu finden. Dieser Weg des Suchens und des Entscheidens ist schwer und mühselig, aber er lohnt sich. Er sollte so bewusst wie möglich gegangen werden, damit wir sicher sein können, unsere ganz persönliche Entscheidung zu treffen, völlig unabhängig davon, was die momentane politische Stimmung gerade vorgibt. 

Die Bedürfnisse der Kinder haben Vorfahrt 

Wenn ich zurückblicke, dann spüre ich tiefe Dankbarkeit für die Menschen, die mir geholfen haben, meine Mutteraufgaben zu erkennen. So wie die Kollegen in Amerika, die mich nicht eingestellt haben und die mir dadurch Zeit mit meinem Kind geschenkt haben, oder die Kindergärtnerin, die für Alexander noch etwas Mama-Zeit erkämpft hat. Ich bin froh, auf sie und viele andere gehört zu haben. Alleine hätte ich es nicht gekonnt.

Denn bei allem Verständnis für das individuelle elterliche Vorgehen und die wirtschaftlichen Nöte gibt es so etwas wie eine objektive Wahrheit. Und das sind die eigentlichen Bedürfnisse des Kindes. Dank der Hirnforschung wissen wir, was Rudolf Steiner schon Anfang des letzten Jahrhunderts formuliert hat. Kinder kommen mit einem elementaren Bedürfnis nach Bindung auf die Welt. Sie möchten sich mit einer geliebten Person verbunden fühlen und innerhalb dieses Verbundenseins wollen sie wachsen und sich entwickeln. Bindung aber entsteht durch gelebtes, gemeinsames Leben, also durch Zeit, Interesse und Hingabe für das Kind in seiner jeweiligen Lebensphase. Ohne gemeinsames Sein kann es keine Bindung geben. Und ohne Bindung gibt es keine Liebe. Sie aber ist die Basis von allem, die Grundlage für alles, was lebt und sich entwickeln will. Um mich herum sehe ich die Frauen, die die letzten zehn bis fünfzehn Jahre zu Hause verbracht, auf Urlaube und viele Annehmlichkeiten verzichtet haben, zurück in den Beruf gehen. Auch ihre Kinder sind jetzt groß und gehen eigene Wege. Die meisten Frauen, die ich kenne, haben Arbeit gefunden. Mit einer unglaublichen Kreativität werden Begabungen und Talente entdeckt und entwickelt und völlig neue Wege beschritten. Noch nie zuvor waren so viele Frauen um die Mitte vierzig erfolgreich unterwegs zu neuen Ufern. Die Zeit der Mutterschaft liegt hinter ihnen, die Jungen sind flügge oder schon ausgeflogen und die Mütter freuen sich auf Neues.

Und ich, ich schaue auf den Blumentopf in meinem Zimmer. »Für meine Mama, die ich unendlich liebe …«, sehe ihn vor mir, den kleinen Mann, stolz mit seinem Pinsel in der Hand und den glühenden Wangen, wie er die Buchstaben schreibt, die Sonne malt. Das Strahlen in seinen Augen, als er mir das Geschenk am Geburtstagsmorgen überreicht. Ich spüre seine kleinen Füßchen, die sich nachts unter der Bettdecke an mich kuscheln, ich höre sein Jauchzen, wenn er den Ball ins Tor kickt.

Und ich schreibe dies hier für ihn, für meinen Sohn, den ich unendlich liebe. 

Zur Autorin: Patricia Schmidt-Dilzer ist Diplom-Dolmetscherin, Waldorflehrerin, Gründungs- und Vorstandsmitglied von SEEK e.V. 

Literatur:

Barbara Schweder: Mutterliebe: warum sie uns stark macht – weshalb sie bedroht ist, Wien 2008;

Claudia Haarmann: Mütter sind auch Menschen, Berlin 2008;

Bernard Lievegoed: Entwicklungsphasen des Kindes, Stuttgart 1995;

Rudolf Steiner: Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik (GA 298), Dornach 1993 

Hinweis: Familientagung in Bühl, Baden, »Familie im Wandel – Erziehung in einer globalisierten Welt«, veranstaltet von SEEK e.V., Seminar für Eltern, Erziehung und Kultur, am 21./22. Mai 2011. www.fiw2011.de

Kommentare

Katharina , 06.02.11 23:02

Ich bin ziemlich enttäuscht von diesem Artikel. Was haben Sie denn gemacht, als man Sie in den USA nicht eingestellt hat? Hätten Sie in derselben Situation in Deutschland, HartzIV beantragt? Oder hatten Sie wirklich das Glück sich zu entscheiden, ob Sie arbeiten wollen oder nicht?
Ich denke,dass den meisten jungen Frauen heute diese Entscheidung nicht offen steht. Nach dem Elterngeld muss Geld verdient werden und zwar nicht für Urlaube und Annehmlichkeiten auf die man auch verzichten kann, sondern um die Miete zu bezahlen, das Essen für die Familie und das Allernötigste.
(Zudem kommen noch die Anforderung Lebensmittel nicht im Discounter zu kaufen, bei der Kleidung auf möglichst faire Verarbeitung zu achten und eventuell das Kind noch auf eine Waldorfschule zu schicken, Musikunterricht zu bezahlen usw..)
Natürlich ist das Bedürfnis nach Bindung ein elementares Bedürfnis von Kindern und sicher auch eines der Eltern und deshalb verstehe ich nicht, weshalb nicht darüber geschrieben wird, wie wir als Gesellschaft dies schaffen können. Es geht darum die Kitas zu fördern, und es gibt schon sehr gute Kitas. Die Kitas müssen eine grosse Leistung vollbringen und darin sollten wir sie unterstützen. Dann kann weiter darüber gesprochen werden, wie das Lohnverhältnis geändert werden müsste und warum es heute nicht mehr möglich ist von einem Gehalt eine Familie zu ernähren.
Die Waldorfschule hat hierzu sehr gute Ideen, indem zum Beispiel Kinderzulagen für die Lehrer mit Kindern gezahlt werden usw.
Ich freue mich für die Frauen, die sich frei, für oder gegen Arbeit mit Kind entscheiden können, aber es ist in dieser jetztigen Zeit nicht mehr die Regel. Wir müssen endlich aufhören den arbeitenden Müttern ein schlechtes Gewissen zu machen.

Susanne Dahmann, Marbach, 08.02.11 16:02

Dieser Artikel in Ihrer Zeitschrift „Erziehungskunst“ hat mich in mehrfacher Hinsicht enttäuscht.

Zunächst einmal schreibt Frau Schmidt-Dilzer ganz und gar nicht darüber, wieviel Mutter das Kind braucht, sondern ausschließlich darüber, wieviel Kind die Mutter braucht, und hier im Besonderen die Mutter Patricia Schmidt-Dilzer. Diese sehr persönliche Betrachtung ist dann doch etwas wenig für eine Zeit, in der allerorten über den Stellenwert von Frauen und Müttern in unserer Gesellschaft diskutiert wird.

Ferner finde ich es enttäuschend, wenn in einer modernen Zeitschrift Ihres Stils noch Aussagen vertreten werden, wie dass niemand die Bedürfnisse des Kindes „so gut erfassen könne wie die Mutter“. Diese Fixierung auf die Mutter als allein seligmachende Bezugsperson ist für alle Beteiligten vom Übel und kann nur zu einer besitzergreifenden Haltung der Mütter gegenüber ihren Kinder führen, bei der es dann am Ende nur noch darum geht: wieviel Kind braucht die Mutter, und wie kann diese dafür sorgen, dass sie es auch kriegt. Ich nenne das eine unglückselige Ideologie, denn abgesehen davon, dass die Kinder darunter leiden müssen, stellt sich die Frage, was mit all denjenigen Müttern ist, die sich aus wirtschaftlichen, familiären oder persönlichen Gründen nicht dieser egoistischen Haltung hingeben können. Sind sie von der selbstzufriedenen Glückseligkeit ausgeschlossen? Warum entwirft Frau Schmidt-Dilzer keine Modelle, wie unsere Gesellschaft sich verändern muss, um den aktuellen Bedürfnissen der Familien gerecht zu werden, ohne dass eine Vielzahl von Beteiligten auf der Strecke bleibt?

Und damit wären wir schon bei der dritten großen Enttäuschung, die mir der Artikel bereitet hat: Das Wort „Vater“ kommt auf drei Seiten ganze zweimal vor. Die Kinder, so schreibt Schmidt-Dilzer, „möchten sich mit einer geliebten Person verbunden fühlen“. Was bitte spricht dagegen, dass es sich bei dieser Person um den Vater handelt? Aus meiner Erfahrung als berufstätige Frau in dieser Gesellschaft und als Mutter von drei Kindern bin ich der Überzeugung, dass es in unserem Land nur dann kinder- und familienfreundlicher zugehen kann, wenn die Väter aktiv in die Betreuung der Kinder eingebunden werden, und ihnen eine Beziehung zu ihren Kindern nicht mehr verweigert wird. Denn dies ist leider immer noch der Fall – weil es praktisch und kostengünstig ist, auf dem Arbeitsmarkt den Vätern den Vorzug gegenüber den Müttern zu geben, und weil die Mütter, von den großen Schauplätzen verdrängt, oft die Väter von den Kindern fernhalten und eine Beziehung zwischen Vater und Kind verhindern. Sie suchen Zuflucht in der verhängnisvollen Ideologie von der heiligen Mutter, um sich in einer Gesellschaft, die sich über Beruf und Gehalt definiert, die nötige Rechtfertigung zu verschaffen. Wie sollten sie sonst auch imstande sein, dann mit 45 Jahren Befriedigung darüber zu empfinden, wenn sie „mit einer unglaublichen Kreativität (…) Begabungen und Talente entdeckt“ haben – diese Formulierung von Frau Schmidt-Dilzer ist von geradezu zynischer Arroganz, will sie doch nur zuckersüß umschreiben, wie hochqualifizierte Frauen, die durchs Kinderkriegen degradiert und aufs Abstellgleis gestellt wurden, tapfer versuchen, den winzigen Spielraum mit Leben zu füllen, den die Gesellschaft für sie noch bereit hält, wenn sie ihre Kinder einmal großgezogen haben.

Meine Frage wäre: Wieviel Eltern braucht das Kind? Meine Antwort lautet: Kinder brauchen viel Mutter und ganz genauso viel Vater. Und es ist Aufgabe der Gesellschaft, die Möglichkeiten zu schaffen, dass die Eltern ihnen beides geben können. Wie könnte das aussehen?

Dr. med. Dorothea Böhm, 12.02.11 17:02

Ich finde den Artikel gut und unterstreiche als entwicklungspsychologisch geschulte Ärztin seine Grundbotschaft: Kinder brauchen in den ersten Jahren ihre Mutter. Das hat nix mit Ausschließlichkeit zu tun. Alle anderen Personen, die ein Kind lieben, sein Vater, seine Großeltern, Freunde der Eltern, sind überaus hilfreiche und sinnvolle Ergänzungen aber in der Regel kein Ersatz für die Mutter-Kind-Bindung (Ausnahme: Todesfall). Die Besonderheit der Beziehung beginnt mit der Schwangerschaft und setzt sich fort in Geburt und Stillen. (Wer sollte das denn sonst machen? Eine staatlich subventionierte Amme?)

Im Artikel - und auch in den Feedback - vermisse ich aber eins: Das Selbstbewusstsein unserer Wertigkeit. Wieso fordern wir Mütter nicht endlich aufwandsangemessenes Geld für unsere Familienerziehungsarbeit?! Wir leisten einen unersetzlichen Dienst an der Gesellschaft und haben Anspruch darauf, dass man uns auch so behandelt! Kinder sind Zukunft, wer sie fördern will, muss ihre Mütter mit allem ausstatten, was sie brauchen.

Ansonsten passiert weiterhin das mometan Laufende: Immer weniger Frauen haben offenbar Lust, sich als Mutter von der Gesellschaft verspotten ("Heimchen") und ausbeuten (Gehalt = 0 EUR)zu lassen. Man sieht´s an der Geburtenrate.

Sibylle Kross, 19.02.11 14:02

Zu oben aufgeführtem Artikel fiel mir ein, dass Hundewelpen erst ab der 8. Lebenswoche an ihre neuen Besitzer abgegeben werden dürfen. Je früher diese von der Mutter entfernt werden, desto öfter reagieren sie mit Aggressionen.
Bei Schimpansen verhält es sich, glaube ich ähnlich. Menschen und Tiere sollen zwar nicht verglichen werden, aber auch bei den Menschenkindern haben Aggressionen, Sprachstörungen usw. rapide zugenommen. Der Mensch ist auf eine verlässliche Bezugsperson angewiesen. Er kann nicht kurz nach der Geburt aufstehen und nach einigen unsicheren Gehversuchen mit der Mutter und der Herde fortrennen bzw. sich festklammern. Ohne sehr gut ausgebildetes Fachpersonal können die Kindergärten und Tageseinrichtungsstätten den elterlichen Grundaufgaben zur Versorgung des Säuglings bzw. Kleinkindes in meinen Augen nicht gerecht werden.
Dann sind wir bei der Qualität (kostet allerdings viel Geld) statt Massenabfertigung. Ersteres dürfte fast undurchführbar sein, denn Geld fehlt überall in den Gemeinden und dem Staat an allen Ecken und Enden. Heutzutage ein Kind großzuziehen erfordert von den Eltern viel Einsatz und auch Verzicht.
Viele sind nicht mehr bereit dem Kind das zu geben, was es zum Leben an Zuwendung (vor allem Zeit) braucht. Ich denke Kindergärten usw. können unterstützend wirken, evtl. Fehlentwicklungen rechtzeitig entdecken und falls nötig entgegenwirken, aber die Mutter und die Mutterliebe sind in meinen Augen nicht zu ersetzen.

Thomas Peschken, hamburg, 25.02.11 09:02

Vielen Dank Frau Dahmann. Ich kann Ihnen nur beipflichen. Ich hatte mich nach Lektüre des Artikels tatsächlich auch gefragt, ob das Kind, bzw. die Kinder irgendwo einen Vater haben. Und warum weniger Mutter im Text automatisch mehr Kita oder Hort und nicht mehr Vater war.

Birgit Schlegel, 30.08.13 14:08

Entwicklunspsychologisch braucht das Kind in den ersten Jahren feste liebevolle Bezugspersonen. Das muß nicht ausschließlich die Mutter sein. Das Stillen muß auch nicht unbedingt sein und kann auch per Fläschen erfolgen (was auch der Vater liebevoll verabreichen kann). Es ist für viele Frauen nicht erstrebenswert Tag und Nacht nur mit dem Säugling zu verbringen und ausschließlich dessen Bedürfnisse zu erfüllen. Dabei bleibt die Frau auf der Strecke, die sie ja auch immer noch ist (sie ist ja jetzt nicht komplett nur noch MUTTER bis ans Ende ihrer Tage) Man sollte Mütter viel stärker entlasten und ihnen die Möglichkeit geben, trotzdem noch berufstätig zu bleiben, damit sie noch andere Betätigungsfelder hat. Das ist der beste Schutz vor Depressionen, Überforderung, Schlafmangel, Scheidung etc. Das Mutterbild in Deutschland ist reformbedürftig...

Laila , 15.03.17 10:03

Es ärgert mich richtig wie hier über Kinder gesprochen wird. Es muss nicht sein, es geht auch anders...Hallo???? Stillen oder die Mutter in den ersten drei Jahren als primäre Bindungsperson zu haben ist das beste für die gesunde Entwicklung eines Kindes. In allen wissenschaftlichen Studien geht hervor, dass Krippenkinder täglich stark unter Stress stehen und dies langfristige Folgen haben kann; findet ihr das nicht so schlimm? Ihr wollt doch alle das Beste für euer Kind, also warum nehmt ihr die Krippenentwicklung einfach so hin? Ständig wird für mehr Gehalt demonstriert oder die Gleichberechtigung der Frau usw., aber warum nicht für mehr finanzielle Unterstützung der Familien?
Eltern sollte bewusst sein, dass die ersten drei Jahre komplett dem Kind gehören und die eigenen Bedürfnisse ziemlich zurückgesteckt werden müssen. Wenn man das nicht möchte, sollte man keine Kinder bekommen!!!!
Ich weiß viele Eltern müssen nach der Elternzeit beide arbeiten, um die Familie ernähren zu können und das ist absolut ungerecht. Hier sollten alle Eltern demonstrieren und sich nicht damit abfinden und es schön reden. Wenn ihr mal an die Eingewöhnung zurückdenkt, hat sich das Kind gefreut oder war es ganz schrecklich, dass die Mama oder der Papa auf einmal weg ist? Daran sieht man doch schon, welche Qualen die Kinder erleiden. Natürlich wird das irgendwann besser, aber nicht weil es ihnen gut geht, sondern weil sie sich anpassen müssen, um überhaupt klar zu kommen und nicht völlig durchzudrehen. In den ersten drei Jahre sind Liebe, Geborgenheit und Zuwendung die wichtigsten Bedürfnisse die ein Kind hat und was meint ihr, bei zwölf Kindern und zwei Fachkräften; kriegt da jedes Kind gleich viel Zuwendung, Wärme usw.? Wohl eher nicht. Außerdem ist die Autonomiephase besonders wichtig, um eine eigene Idendität entwickeln zu können und bei zwölf Kindern täglich auf die individuellen Bedürfnisse eingehen zu können ist wohl eher schwierig...
Es gibt leider viel zu viele Mütter oder Väter, die nicht arbeiten gehen müssten, da ein Elternteil genug verdient und trotzdem wird das Kind nach einem Jahr in die Krippe gesteckt, weil die Selbstverwirklichung im Vordergrund steht. Wenn man sich mit dem Thema Krippe einmal wirklich auseinandersetzen würde, wird ganz schnell klar, dass die Politik nur an ihr Vorteil denkt und nicht an das der Kinder.

Dorina Schlue, Braunschweig, 02.04.19 12:04

Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit diesem Thema.

Ich bin in den letzten Jahren immer wieder entsetzt wie sehr Mütter sich das »Mutter-sein« abgewöhnen!

Warum? Ich verstehe es einfach nicht ...

Ich bin Mutter von 2 Mädchen und zu Hause geblieben und habe gestillt. Und nun der Schock: ich habe das gerne gemacht und auch keine andere Möglichkeit gesehen, denn mein Mann hatte einfach keinen Milcheinschuß.

Emanzipation in Ehren, aber warum wollen Frauen nicht mehr Frau sein?

Ich bin Tagesmutter und durch mein konsequentes Angebot von 4 Tagen Betreuung ermögliche ich den Kindern einen Tag mit ihren Eltern!

Bekommt doch bitte einfach keine Kinder, wenn ihr dann den kürzesten Teil der Verantwortung übernehmt. Keine Kinder bekommen ist für mich total okay. Nicht okay finde ich, Frauen, die auf ihre Kinder aufpassen wollen, schlecht zu machen ...

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