Fundraising mit der »Waldorfcard«

Von Ulrike Keyhani, Januar 2012

Die »Waldorfcard« hat sich seit Anfang 2000 an einigen Waldorfschulen etabliert und gewinnt Einzelhändler und Dienstleister aus der Umgebung der jeweiligen Schule als Spender. Ulrike Keyhani, zuständig für die PR-Arbeit an ihrer Schule in Hamburg Bergedorf, beschreibt, wie die »Waldorfcard« funktioniert.

Von einem Waldorfschüler entworfen: die Waldorfcard

»Die Zeiten haben sich geändert und die Spendenbereitschaft von Elternhäusern und Förderern hat abgenommen«, konstatiert der Bergedorfer Geschäftsführer Thomas Schramm. 2008 schlug er dem Förderverein der Schule vor, Spenden über die »Waldorfcard« zu sammeln. Das Fund­raising beruht auf dem freiwilligen Prinzip von »Geben und Geben«: Die Spender, sogenannte »Waldorfcard-Partner«, sind vorrangig Einzelhändler und Dienstleistungsbetriebe aus der Region. Die Familien der Waldorfschule unterstützen die potenziellen Spender, indem sie in deren Geschäften einkaufen oder deren Dienstleistung in Anspruch nehmen. Die Eltern weisen sich bei ihrem Einkauf mit Hilfe einer Plastikkarte im Format einer Scheckkarte aus, die keinerlei Datenspeicherungsfunktionen und auch sonst keine Informationen zur Person enthält. Die Karte, die die Eltern von der Schule erhalten, informiert den Waldorfcard-Partner darüber, dass der Besitzer »im Namen der Waldorfschule« einkauft. Am Ende des Jahres bedankt er sich für die zusätzlichen Einnahmen in Form einer Spende, über deren Höhe er selbst entscheidet.

Insgesamt sieben Waldorfschulen, fünf davon in Norddeutschland, praktizieren inzwischen diese Art des Fundraising, unter ihnen die Freie Waldorfschule Elmshorn, die die Idee der Waldorfcard entwickelte und 2001 als erste etablierte. Das Logo dazu stammt von einem Schüler der Freien Waldorfschule Eckernförde. Da sie bundesweit verbreitet ist, können Eltern im Urlaub oder auf der Durchreise auch bei Waldorfcard-Partnern in fremden Regionen einkaufen. Dies kommt dann der regional ansässigen Schule zugute. Die Eltern erhalten mit der Karte keine Prozente wie sonst bei Rabattsystemen üblich, haben aber die Möglichkeit, sich zu engagieren, indem sie andere zum Spenden animieren, und dies ohne allzu großen Aufwand, denn einkaufen muss man. Ausschlaggebend ist einzig, dass man sich zu einem Waldorfcard-Partner begibt.

Dem Waldorfcard-Partner bringt das System im besten Fall neue Kundschaft durch kostenfreie Werbung. Denn die Eltern der Rudolf-Steiner-Schule Bergedorf erhalten einmal im Jahr einen Flyer mit den kompletten Adressen der aktuellen Waldorfcard-Partner. Neu hinzugekommene Partner findet man auf der regelmäßig aktualisierten Schul-Homepage. Je mehr Branchen unter den Waldorfcard-Partnern vertreten sind, umso größer ist die Chance, ausschließlich bei Waldorfcard-Partnern einzukaufen. Unter den knapp 50 Partnern, die die Waldorfschule Bergedorf bisher gewinnen konnte, befinden sich inzwischen auch 16 Elternhäuser.

»Es braucht Zeit, die Waldorfcard zu etablieren und zu verstetigen«, so Schulgeschäftsführer Schramm. »Aber wenn sie sich erst einmal in den Köpfen von Eltern und Spendern festgesetzt hat, entwickelt sie sich zu einer zuverlässigen Spendenquelle.«

Link: www.waldorfschule-bergedorf.de/de/waldorfcard

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