Hausaufgaben – aristotelisch

Von Alain Denjean, Juni 2013

Leserbrief zu dem Beitrag »Hausaufgaben – ein alltägliches Drama« von Henning Köhler in Erziehungskunst, Februar 2013.

Alles, was Henning Köhler beschreibt, ist mir als Fremdsprachenlehrer an einer Waldorfschule bekannt und stimmt auch. Nur spricht Köhler nicht von Hausaufgaben, sondern von nicht gemachten Hausaufgaben. Nur in dieser Hinsicht stimmt, was er behauptet. Schüler, die Interesse an Hausaufgaben entwickeln und sie gern machen oder sie gern erledigen, sind weiter gekommen, als diejenigen, die vor dem Hindernis scheuen. Jedes Drama verläuft in Akten. Es beginnt mit der Exposition (Inhalt der Hausaufgabe). Dann folgt die Peripetie (nach Aristoteles bedeutet die Peripetie einen Umschwung der Handlung, wodurch die Katastrophe oder die Lösung des Problems eingeleitet wird). Die Kinder, von denen Köhler spricht, stolpern bei der Peripetie. Sie wollen spielen, etwas anderes machen als Hausaufgaben; sie kommen nicht über den Berg hinweg, der sich vor ihnen türmt. Die anderen schaffen es und kommen zum dritten Akt: der Lösung. Danach erst kommt Erleichterung, Befriedigung, Läuterung, das Wachsen über sich hinaus. Hier vier Hilfsmittel, um im Fremdsprachenunterricht der Oberstufe die Stufe der Peripetie zu meistern:

  • Sogenannte »schwache« Schüler werden nach einem Gespräch mit dem Schüler und den Eltern von den Hausaufgaben befreit, was nicht von einer aktiven Teilnahme am Unterricht entbindet. Meine Erfahrung ist, dass die Hälfte dieser Schüler anfängt, Fortschritte im Unterricht zu machen! Schüler, die umziehen oder familiäre Probleme haben, dürfen eine Zeit lang Hausaufgaben streichen, wenn sie es für nötig halten.
  • Der Schüler lernt etwas anderes anstelle der erwarteten Hausaufgabe und bestimmt selber, was er lernt. Er muss es nur schriftlich oder verbal dokumentieren.
  • Der Schüler gibt die Hausaufgabe später, zum Beispiel nach dem Wochenende, ab.
  • Der Schüler gibt nur einen Teil der Hausaufgabe ab; er erklärt aber dem Lehrer, warum dies so ist.

Zum Artikel von Henning Köhler

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