Herr der Elemente

Von Mathias Maurer, März 2018

Im Messen mit den Elementen machen wir unsere nachhaltigsten Erfahrungen.

Ob wir als kleines Kind gehen lernen oder später an einer steilen Felswand klettern, ob wir Luft anhalten spielen, bis die Köpfe rot werden, oder später beim Tauchen minutenlang den Atem anhalten, ob wir uns die Finger verbrennen am heißen Topf oder uns gefährlichen Vulkanausbrüchen am Kraterrand aussetzen: wir gehen immer an die Grenzen und versuchen, die Elemente zu bezwingen – ein Grundmotiv auch der technischen Entwicklung und unserer Allmachtsphantasien. – Doch wir ziehen rasch den Kürzeren, wenn sich die Naturgewalten entfalten, wie man an »Friederike« sehen konnte.

Dennoch – die Elemente mit ihrer Eigengesetzlichkeit und in ihrem Zusammenspiel sind nicht unsere Gegner, sondern unsere allerersten Lehrmeister. Was erfahren wir, wenn wir in warme Erde greifen und sie in unserer Hand spüren, wenn wir schwimmen lernen, nach Luft ringen, auf- und untertauchend, uns verschlucken, und das Wasserreich unter der Oberfläche entdecken, unsere Blicke sich in einem Lagerfeuer versenken und die Gesichter von der Glut heiß werden, auf dem Schulweg mit dem Fahrrad kaum von der Stelle kommen, weil der Wind uns mit Wucht entgegenschlägt oder die Schnur unseres Drachen reißt?

Unsere Zivilisation beraubt uns elementarer Erfahrungen. Mit diesem Verlust gehen uns die basalsten Sinneserlebnisse verloren. Die Kinder spielen immer weniger in der freien Natur. Die alltäglichen Lebensgewohnheiten schieben sich wie eine Watteschicht zwischen uns und die Welt, deren virtuelles, digitales Abbild im Touchscreen zur Zeit einen Höhepunkt dieser entfremdeten Beziehung darstellt. Statt umfassendes Sinneserlebnis: Bilder und Vorstellungen. Jeder mache den Selbsttest: Schaue ein beliebiges Video und mache es dann im Vergleich selber.

Doch es braucht keine katastrophischen Ereignisse wie Erdbeben, Waldbrände, Sturmfluten und Schlammlawinen, um uns die Wirkung elementarer Kräfte wieder ins Bewusstsein zu rufen, sie ist immer und überall vorhanden. Wenn das Kind an der Klassenzimmertür begrüßt wird: Die Wärme, Kühle, Feuchte oder Trockenheit der Hand sagt dem Lehrer, wie es ihm heute morgen geht. Atmet es ruhig, tief, flach oder schnell? Ist es blass, überhitzt, schwitzig, in sich versunken oder außer sich? Bewegt es sich mit Leichte in seinem Leib oder hängen Bleigewichte an ihm?

Auf das Zusammenspiel der Elemente mit dem Menschen kommt es an.

Seit altersher gelten sie als die physikalischen Bausteine der Erde, ein fünftes, die Quintessenz, vermag nur der Mensch durch die Liebe zu bilden.

Folgen