Inklusion – Beispiele aus der Praxis

Von Brigitte Wulff, Mai 2010

»Inklusion« – seit geraumer Zeit klingt dieses Wort an unser Ohr. – Alle mit allen!? Tolle Idee – klingt es doch wie das normale Leben. Nicht »Integration« soll es länger sein, was wir im Schulleben anstreben, nicht das Einfügen einzelner Personen oder Gruppen in eine Mehrheit, sondern ein natürliches Miteinander aller Schüler und Schülerinnen, jeder mit seinen individuellen Fähigkeiten. Ist das möglich?

Heft 11 / 2009 Inklusion

Die zu diesem Thema angesetzte gemeinsame Konferenz der Albrecht-Strohschein-Schule Oberursel und der Freien Waldorfschule Vordertaunus bot mir die Gelegenheit, die Klassenlehrerin der 2. Klasse der Vordertaunus-Schule auf eine gemeinsame Begegnung beider Klassen anzusprechen. Schon lange vor dem Gespräch über die UN-Konvention hatte ich mich mit diesem Gedanken getragen, und nun war die Möglichkeit gegeben. Leicht fanden wir im Gespräch zueinander und verabredeten uns zu einem weiteren Gesprächsaustausch, um die Details für ein erstes Treffen der beiden Klassen zu erörtern.

In der Adventszeit befanden sich dann die Kinder der 2. Klasse der Albrecht-Strohschein-Schule mit Schulbussen auf dem Weg zur Freien Waldorfschule Vordertaunus. Ein Ausflug zu einer anderen 2. Klasse – wie aufregend!

Die Kinder erwarteten uns dort bereits und saßen gespannt an ihren Bänken. Nach einer herzlichen Begrüßung verteilten sich die zehn Schüler der Albrecht-Strohschein-Schule ohne jede Scheu auf die verschiedenen freien Plätze zwischen den anderen 25 Schülern. Beim gemeinsamen Singen des Adventsliedes »Über Sterne, über Sonnen« spürte man ein Staunen über die gemeinsame Vertrautheit mit diesem Lied.

Doch dann wollten alle an die Arbeit. Wir hatten uns vorgenommen, eine Kerze mit Wachs zu verzieren, als Weihnachtsgeschenk. Es entstand eine allgemeine kreative Regsamkeit. Jedes Kind suchte sich seine Farben, fragte den Nachbarn, tauschte Wachsstücke oder half, wenn nötig, dem anderen aus. Alle Kinder arbeiteten vertieft, jedes nach seinen ganz eigenen Möglichkeiten. Während dieser gemeinsamen Tätigkeit, die alle Kinder gleichermaßen anregte, entstanden bunte Farbkompositionen, Bäume, Tiere, Zwerge, weihnachtliche Sterne und Krippenbilder. Dann gab es Frühstück und Tee, einen Geburtstagskuchen und mitgebrachte Weihnachtsplätzchen. Mit Dankbarkeit für die Einladung und dieses schöne Er­lebnis fuhren wir erfüllt zurück und freuen uns schon auf ein nächstes Mal »praktizierte Inklusion«, denn das kommt bestimmt!

Hinweis: Zur Inklusion siehe das Heft 11 / 2009, mit dem Schwerpunkt Inklusion, zugänglich auch im Internet.

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