Inklusive Wärmefelder

Von Thomas Jachmann, Juni 2013

Dass Waldorfschulen schon immer inklusiv waren, daran braucht niemand zu zweifeln. Der pädagogische Alltag muss allerdings unter den heutigen Umständen einige Veränderungen erfahren. Dazu gehört die Bildung eines »sozialen Wärmefeldes«.

Kinder brauchen Auszeiten

Immer mehr Kinder brauchen heute während des Unterrichts Auszeiten. Dies gilt besonders für diejenigen Kinder, die auffällig sind oder sonder- oder heilpädagogisch betreut werden müssen. Die Auszeit wird niemals verordnet. Jedes Kind weiß selbst, wann es Ruhe und Entspannung braucht.

Kinder brauchen »Kuschelecken«

Selbst in überbelegten Klassenräumen gibt es Möglichkeiten, eine gemütliche Ecke mit Bauklötzen, Malheften, Bilderbüchern und Bastelmöglichkeiten einzurichten, die den Schülern zum beliebigen Gebrauch zur Verfügung steht. Einen Missbrauch dieser »Einrichtung« konnte ich im Laufe meiner zehnjährigen Tätigkeit nicht feststellen. Die Kuschelecke ist ein pädagogisches Gestaltungsmittel, um ein soziales Wärmefeld im Klassenzimmer zu erzeugen, nicht um die Kinder vom Unterricht zu separieren.

Kinder brauchen offene Lebensräume

Das Klassenzimmer muss sich schrittweise der Außenwelt öffnen. Die Kinder dürfen das Klassenzimmer frei betreten und verlassen – auch während des Unterrichts und in den Pausen. Der Unterrichtsbeginn ist gleitend und dient als soziale Anwärmphase, die besonders auffällige Schüler brauchen.

Der Stundenplan entfällt. Im Idealfall unterrichten zwei Lehrer im Team (Heilpädagoge und Lehrer oder Schulbegleiter mit waldorfpädagogischer Ausbildung*) durchgehend von 8.00 bis 13.30 Uhr und holen sich für bestimmte Zeiten Fachlehrer hinzu. Es gibt keinen Hausaufgabenzwang, denn er tötet die Lernlust der Kinder – außer sie wollen Hausaufgaben aus eigenem Antrieb machen.

Die Kinder lernen in altersübergreifenden Gruppen. Ein altersübergreifender Unterricht mit zeitweise unterschiedlichen Lernangeboten bedeutet nicht, dass man auf eine im Sinn der Waldorfpädagogik altersgemäße Erziehung keine Rücksicht nimmt. Man hat aber die Möglichkeit, einen Schüler zeitweise in eine andere Lerngruppe zu geben, die besser zu seinem Entwicklungsstand passt (Binnendifferenzierung).

* Ausbildung bei Henning Köhler

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

Folgen