Die Würde des Tieres

Von V. D. A., Oktober 2013

Um mit der Frage der Würde richtig umzugehen, muss man in der Lage sein, Fehler einzugestehen.

Als kleiner Junge hatte ich mich in den Ferien auf einem Bauernhof in der Schweiz in die Schweine verliebt. Als ich gefragt wurde, ob ich mit zum Schlachter wolle, ist mir klar geworden, dass zwischen den mir lieb gewordenen Schweinen und der Wurst ein Zusammenhang besteht. So wurde ich mit sieben Jahren Vegetarier.

Jedes Tier hat seine eigene Persönlichkeit und ist individuell. Da die große Masse die mir zu Freunden gewordenen Lebewesen mehr schätzt, wenn sie als Essen auf dem Teller liegen, als wenn sie lebendig sind, beschloss ich, mich für sie einzusetzen. Ich wollte und will nicht, dass andere Lebewesen, die Schmerz empfinden, für unseren Gaumenkitzel ihr Leben lassen müssen. Als ich im Alter von 13 Jahren begriff, dass die Kälbchen sterben müssen, damit wir die Milch, die an sich für sie bestimmt ist, verwerten können, und erfuhr, dass männliche Küken geschreddert werden, beschloss ich, nicht weiter auf Kosten von anderen Lebewesen zu leben, und wurde Veganer. Doch auch damit war ich noch nicht am Ende. Ich vertiefte mich in die Tierrechtsarbeit und begann, anderen meine Erfahrungen zu schildern. Doch ich habe den Eindruck, dass viele mit Scheuklappen durch die Welt laufen: Sie versuchen, die Fakten nicht zu sehen und suchen nach Argumenten, die ihren Konsum tierischer Produkte rechtfertigen.

Wer weiß nicht, was vorgeht? Wer weiß nicht, wie mit anderen Lebewesen umgegangen wird? Viele behaupten, sie wüssten, woher ihr Essen kommt. Ist das wirklich so? Ist der Keks, den jemand isst, auch von dem Bauern, den er so gut kennt? Und: Zeigt der Bauer ihm immer alles? Als Kind wusste ich schlichtweg noch nicht, was los ist. Jetzt weiß ich es und fühle, dass ich Verantwortung übernehmen muss. Gehen Sie zu dem Bauern, den sie kennen, und fragen Sie ihn, wie er zu der Milch kommt. Er wird ihnen sagen, dass alle Kühe jährlich besamt werden, damit er immer Nachwuchs hat, da nur dann genug Milch gewonnen werden kann. Da sein Stall nach einigen Jahren aus allen Nähten platzen würde, muss er die Kälber verkaufen, und zwar meist an Metzger, da die Milchbetriebe selbst mehr als genug Nachwuchs haben, 50 Prozent davon männlich. Hält er die Kälber zur Mast, werden sie ebenfalls geschlachtet. Das heißt, jeder Milchkonsument ist, ob er es wahrhaben will oder nicht, am Tod der Kälber mitschuldig.

Tiere haben dasselbe Recht auf Leben wie wir. Sie haben Gefühle, Schmerzen wie wir.

Wir sind auch nicht klüger als sie, sondern sie kommunizieren nur anders als wir. Dass Tiere komplex denken können, zeigen dokumentierte Ereignisse: Zu einer Gruppe von Forschungstauchern schwimmt ein Delfin und macht sie auf ein Problem an seiner Brustflosse aufmerksam. Er tippt sogar einen der Taucher an, um ihn um Hilfe zu bitten. Der Taucher bemerkt, dass die Flossen des Tieres sich in einer Angelschnur verwickelt haben, und versucht, den Delfin, der völlig ruhig verharrt, zu befreien. Als ihm das mit den Händen nicht gelingt, zieht er sein Messer. Auch dabei bleibt der Delfin ruhig und, bis er befreit ist, bei dem Taucher.

Ein anderes Beispiel zeigt eine Ziege, die in einem Streichelzoo fast ertrinkt und nach Hilfe schreit. Ein Besucher hat die Szene gefilmt, die Not des Tieres hat ihn nicht berührt, während ein Schwein sich kurzerhand ins Wasser stürzt und die Ziege an Land bugsiert.

Füchse, die beim Tollen auf ein Riesentrampolin geraten, merken, dass es federt, und beginnen, Trampolin zu springen.

Auch zum Thema Moral sei hier ein Beispiel angeführt. Eine Anzahl von Affen wurde gemeinsam in einem Raum gehalten. Nachdem sie sich aneinander gewöhnt hatten, wurde einer in einen von innen verspiegelten Raum gesperrt. Immer, wenn ein Affe Hunger hatte, musste er an einer Kette ziehen, um Essen zu bekommen. Diese Kette versetzte aber zugleich dem im Spiegelkasten sitzenden Affen einen Stromschlag. Nach jedem Zug wurden die Plätze gewechselt. Schnell hatten die Affen begriffen, was sie mit dem Ketteziehen auslösten, und hungerten fortan lieber, als einem Anderen Schmerzen zufügen! Wenn das keine moralische Handlung ist!

Bekannt ist die Serie »Flipper«, in der ein Delfin der Hauptdarsteller ist. Das letzte von fünf Delfinweibchen, die in dem Film eingesetzt wurden, schwamm in die Arme seines Trainers Richard O’Barry, schaute ihm in die Augen und hörte auf zu atmen. Der Trainer wusste, dass Delfine aktiv atmen. Als er den bewussten Freitod erlebte, schmiss er seinen einträglichen Job und wurde zum Delfinschützer Nummer eins. Er macht sich bis heute Vorwürfe, da er die Industrie mit Delfinen, die Millionen abwirft, gegründet hat und sie nun kaum stoppen kann.

Tiere leiden leise. Ich werde vor Trauer schier ohnmächtig, wenn meine Freunde, die niemandem Schaden zufügen, nur um des Geschmacks Willen versklavt, vergewaltigt, verstümmelt, zur Schau gestellt, getötet und als Kleidung getragen werden.

Jedes fühlende Lebewesen hat ein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Handeln wir würdevoll, wenn wir sie anderen Lebewesen aberkennen, indem wir sie zu unserem Nutzen ausbeuten? Wer auf Kosten Anderer lebt, kann nicht von sich behaupten, sich würdevoll zu verhalten. Nur das Handeln kann etwas verändern. Handelt würdevoll auch anderen gegenüber!

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