FreshFred

Von Lelio Libardi, Leonie Mühlegger, Jakob Rumetshofer, Irma Sperl, Februar 2014

Die Schulküche der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer bekommt ein neues Gesicht.

Das Wirtschaftspraktikum soll den Schülern der 12. Klasse Einblicke in die Welt der Unternehmen geben. Zur Zeit bedeutet das, dass die Schüler für drei Wochen in einen Betrieb gehen und dort mitarbeiten. Diese Idee hat mit der Zeit aber an zwei Punkten zu bröckeln begonnen. Zum einen machen die Schüler die Erfahrung, ein Produkt herzustellen und sich in den Ablauf eines Betriebes einzufügen, teilweise schon durch ihre Sommerjobs. Zum anderen befindet sich die Wirtschaft in ständiger Wandlung, immer mehr kleine, selbstständige Unternehmen werden gegründet. Teamarbeit, Eigeninitiative, Kreativität und Flexibilität werden immer wichtiger. Sollten wir von daher unser Praktikum nicht zeitgemäßer gestalten? Als das Projekt »Schulküche« in der 12. Klasse vorgestellt wurde, entschlossen sich sofort vier Schüler für diese Alternative zum bisherigen Wirtschaftspraktikum.

Wir konnten drei Wochen lang wie Selbstständige unseren Ideen nachgehen. Ziel des Projekts war, herauszufinden, warum das Angebot eines biologischen, täglich frisch gekochten warmen Essens nicht von mehr Schülern, Lehrern oder auch Eltern genutzt wird und durch welche Maßnahmen die Attraktivität der Schulküche gesteigert werden kann, nicht zuletzt um in den Bereich der schwarzen Zahlen zu kommen.

In drei Wochen eine neue Schulküche?

Drei Wochen – was können wir in dieser kurzen Zeit erreichen? Die Schulküche soll Treffpunkt für Schüler werden, das Essen erschwinglich, die Küche aber doch wirtschaftlich sein. Um uns ein Bild der jetzigen Lage zu machen, erstellten wir Fragebögen. Die Klassen fünf bis neun wurden von uns persönlich aufgesucht. Mit großem Hallo wurden wir als willkommene Abwechslung zum gewöhnlichen Schulalltag begrüßt und besten Gewissens füllten die Schüler den Fragebogen aus. Von den Eltern bekamen wir den Eindruck, dass unser Projekt Unterstützung und Anklang fand, sofern der Fragebogen die Hürde »Schulranzen« überwand. Der Lehreralltag ist wohl dem der Schüler ähnlich, denn auch sie vergessen anscheinend, »Hausaufgaben« abzugeben – wir bekamen nur etwas mehr als die Hälfte zurück. Dennoch: Wir erhielten ein umfangreiches Stimmungsbild und viele Vorschläge und Anregungen. Wir filterten die Kernthemen heraus: das eindeutig bestehende Raumproblem und auch das Speisenangebot selbst.

Schönes Essen – schöne Räume

Kritikpunkte an den Speisen waren: zum einen ihre Gestaltung, zum anderen der Geschmack. Vor allem von Seiten der Lehrer bekamen wir die Rückmeldung, dass die Optik zu wünschen übrig lasse, denn »das Auge esse mit«. Sehr viele waren unzufrieden mit dem Salatangebot, besonders an Tagen, wo eine (nur zum Teil geliebte) Süßspeise auf der Karte stand. Der Wunsch nach mehr Vielfalt wurde geäußert.

Um die Nachfrage nach einem denkbaren Frühstück zu erörtern, nahmen wir diese Frage in den Bogen auf. Unsere Frühstücksidee wurde auch von unserer Schulärztin unterstützt, doch nur weniger als die Hälfte der Schüler wollte ein solches Angebot nutzen.

Andererseits der Raum: In den Mittagspausen ist er meist überfüllt, es herrscht ein eindeutiges Platzproblem. Wir kamen zu dem Schluss, die Stimmung lasse sich nur durch eine andere Raumaufteilung bessern. Um unsere Ideen einem kritischen Kennerblick auszusetzen, luden wir ein Architektenteam und einen Statiker ein, der die baulichen Fragen abklärte. Die Sitzmöglichkeiten sollten zu verschiedenen Situationen passen: niedrige bequeme Sessel mit kleinen Tischen zum Kaffeetrinken und Plaudern in den hohen Fensternischen, platzsparende Bänke mit langen Tafeln zum Essen. In den Ecken hohe Tische mit Barhockern, diese würden den hohen Raum aufbrechen und die Höhe nutzen. Auch die Eingangstür würden die Architekten ändern; sie meinten, man sollte sie verbreitern, um den Raum einladender wirken zu lassen. Durch ihre Gestaltungsideen konnten wir der Schulleitung ein umsetzbares Konzept für einen Platz gewinnenden Umbau vorstellen.

Weitere Anregungen holten wir uns von gut funktionierenden Schulküchen. Wichtig sind ein großer heller Essraum mit Blick ins Grüne, die Auswahlmöglichkeit zwischen mindestens drei Gerichten sowie ein BIO-Zertifikat.

Nationalgericht und Thementag machen das Alltägliche attraktiv

Uns war es ein persönliches Anliegen, das Besondere unserer Küche hervorzuheben, deren Bio-Anteil bei 100 Prozent liegt. Dazu starteten wir eine Imagekampagne.

Wir entwarfen ein Logo – der stilisierte Kopf von Fred unserem Schulkoch, und alles in Grün. Eine Graphikerin setzte unsere Vorstellungen in professioneller Weise um, ebenso den von uns entworfenen Folder. Dessen Inhalt hatten wir vorher mit Gutessen Consulting besprochen, einer Firma, die Schulen und Unternehmen in Ernährungsfragen berät. Genuss, gesunde Ernährung und ökologische Qualität zusammen mit ansprechender Gestaltung standen im Mittelpunkt.

Wir planten an einem Tag der Woche ein Nationalgericht anzubieten, der Speisesaal samt unserem Koch Fred Samec dazu passend gekleidet. Der erste Thementag war Spanien – und an diesem Tag war die Schulküche Zentrum der Aufmerksamkeit. – Wir hatten unser Ziel erreicht. Dank einer auf den Tischen ausgelegten, kleinen Vokabelliste plapperte der Essraum Spanisch – auch Fred absolvierte einen Crash-Kurs. Um ihn noch authentischer zu machen, gruben wir einen Hut aus der Kostümkammer aus. Außerdem fanden wir ein rotes Kleid, dem man schon den Flamenco ansah. Alles in allem: ein voller Erfolg, wie es ihn sonst nur an Pizza-Tagen gibt!

Fred war hoch zufrieden. Einen Thementag soll es auch in Zukunft geben. Das Projekt setzt voraus, dass wir im ständigen Austausch mit der Küche stehen. Fast jeden Tag kam Fred am Nachmittag zu uns in die Zentrale (den Informatikraum). Jetzt weiß Fred, wo es in der Schulküche noch hapert und was verbessert werden kann. Die Balance zwischen gesunden und beliebten Speisen zu finden, ist nicht leicht. Drei Wochen sind eine kurze Zeit. Um die Defizite der Schulküche langfristig zu beheben, braucht es jemanden, der das Projekt als Ganzes weiterführt, denn dieses Thema ist noch nicht gegessen.

Es war anstrengend, stressig, nervenaufreibend und mit vielen Diskussionen verbunden, aber dabei haben wir auch so viel zu lachen gehabt und so viel Neues gelernt, dass wir eine solche Erfahrung nur jedem empfehlen können.

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