Wäre es auch zu spät, wenn Ihr Leben auf dem Spiel stünde?«

Von Sophia Giese, Mai 2010

Einen Dialog im Stil des Sokrates sollten die Schüler im Geschichtsunterricht erfinden. Sophia Giese hat Sokrates ein Gespräch mit dem Bahnchef Rüdiger Grube über das Milliardenprojekt »Stuttgart-21« führen lassen. Ein Ausschnitt daraus.

Logische Verzweigung?

Bahnchef | Es ist vollkommen egal, was Du unternehmen wirst. Das Stuttgart-21-Projekt ist bereits nicht mehr zu ändern.
Sokrates | Glauben Sie denn, dass es friedlicher auf der Welt sein wird, wenn alle Menschen es wollen?

Bahnchef | Ja, das glaube ich schon. Aber was hat das mit Stuttgart-21 zu tun?
Sokrates | Glauben Sie auch, dass Stuttgart-21 noch rückgängig gemacht werden könnte, wenn alle Menschen es richtig wollten?

Bahnchef | Es wollen ja nicht alle Menschen.
Sokrates | Aber wenn es alle wollten, glauben Sie auch, dass man es noch ändern könnte?

Bahnchef | Viele Menschen sind für Stuttgart-21.
Sokrates | Und für was ist die Mehrheit der Menschen?

Bahnchef | Für einen neuen Bahnhof.
Sokrates | Haben Sie alle gefragt?

Bahnchef | Nein, aber das denke ich mir.
Sokrates | Glauben Sie, dass Sie da richtig denken?

Bahnchef | Ja, das glaube ich.
Sokrates | Und was ist, wenn nicht?

Bahnchef | Dann kann ich auch nichts daran ändern.
Sokrates | Könnten Sie es nicht doch ändern, indem Sie alle fragen?

Bahnchef | Nein, das ist unmöglich.
Sokrates | Warum ist das nicht möglich?

Bahnchef | Weil es viel zu viele sind.
Sokrates | Hat nicht jeder ein Recht darauf, es mit zu entscheiden?

Bahnchef | Natürlich, aber das ist in diesem Fall zu spät.
Sokrates | Wäre es auch zu spät, wenn Ihr Leben auf dem Spiel stünde und alles schon entschieden ist? Was würden Sie dann tun? Alle Menschen fragen, ob sie für oder gegen Ihren Tod seien, oder würden Sie auch einfach sagen, es seien zu viele Leute und eh schon zu spät?

Bahnchef | …

Sophia Giese, 11. Klasse, Freie Waldorfschule Uhlandshöhe, Stuttgart

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