Wie ich Umweltaktivistin wurde

Von Anna-Chiara Rall, Juli 2019

Bedrückende Bilder schwirren durch meinen Kopf, Bilder von toten Fischen, ihre Mägen voller Plastik, von Meeresschildkröten, schwimmend zwischen riesigen Mengen an Tüten und Verpackungen, auf dem Wasser ein öliger Film. Die Bilder machen mich traurig und wütend zugleich.

Foto: © Eberhard Linckh

Es kann doch nicht sein, dass in unseren Weltmeeren 150 Millionen Tonnen Plastik schwimmen und wir nichts dagegen unternehmen! Ich fühle mich machtlos, doch ich muss irgend etwas tun, ich kann nicht tatenlos dabei zusehen!

Ich bin aktives Mitglied der gewaltfreien Umweltschutzorganisation Robin Wood. Diese Organisation entstand 1982 während des großen Waldsterbens und begann ihre Arbeit mit dem Einsatz für den Schutz der Bäume. Robin Wood ist basisdemokratisch organisiert und hat bundesweit in vielen verschieden Orten Mitglieder und Lokalgruppen, die Aktionen zu verschieden Themen planen und durchführen.

Schon seit etwa acht Jahren bin ich mit meiner Mutter bei dem Protest gegen Stuttgart 21 dabei und so schon früh aufmerksam geworden darauf, was es heißt, aktiv zu werden und sich für etwas einzusetzen. Bei diesen Protesten waren auch schon Robin-Wood-Aktivisten dabei, die auf die Bäume kletterten, um sie vor dem Fällen zu schützen. Ich war fasziniert und wollte auch unbedingt klettern lernen. Meine ersten Klettereinsätze kamen dann auch schon sehr bald mit kleineren Aktionen vor dem Rathaus in Stuttgart und am Neckartor mit großen aufblasbaren Würfeln.

Höher hinaus ging es für mich, als wir auf dem Stuttgarter Bahnhofsdach ein großes Banner aufhängten. Vor eineinhalb Jahren hatte ich dann mein erstes Klettertraining bei den Robin-Wood-Aktivisten. Meine erste Aktion, bei welcher ich in einen Baum kletterte, fand am dezentralen Aktionstag in Stuttgart für den Hambacher Wald statt. Wir kletterten in zwei Eichen am Bärenschlössle und hängten dazwischen ein Banner mit der Aufschrift »Ende Gelände: Keine Kohleverstromung! Klimagerechtigkeit jetzt!« auf. Die folgende Aktion  in Karlsruhe richtete sich gegen den Abschlussbericht der Kohlekommission und für einen klimagerechten Kohleausstieg. Ich komme dadurch mit vielen Menschen ins Gespräch, positiv, aber auch negativ.

Robin Wood will mit den Aktionen auf bestimmte Themen – wie Energie, Wald und Tropenwald sowie Verkehr – öffentlich aufmerksam machen. Obwohl wir auf erneuerbare Energien umsteigen könnten, zerstören wir Jahr für Jahr, Sekunde für Sekunde die Wälder mit ihrer Artenvielfalt, um auf den riesigen Flächen Futtersoja für die Massentierhaltung anzubauen für Fleisch, das wir konsumieren. 

Es liegt an uns Menschen, die Natur zu respektieren und nicht unnötig viele endliche Ressourcen zu verschwenden. Viele Menschen sagen zu mir: »Du kannst nichts erreichen als einzelner Mensch.« 

Doch ich sehe das anders: Wenn jeder sich nur eine kleine Sache vornimmt und sein Verhalten verändert, kann man damit Großes erreichen. Man muss sich nur dazu aufraffen, den Mut haben, es durchzuziehen. Wir haben es in der Hand und können uns jederzeit entscheiden. Ich setze mich für den Erhalt unseres Planeten ein, denn ich möchte eine Welt und eine Zukunft haben, in der auch noch meine Kinder und Enkel leben können. Das kann aber nur geschehen, wenn wir heute handeln. Nicht morgen oder in ein paar Jahren, sondern jetzt in diesem Moment!

Zur Autorin: Anna-Chiara Rall ist Schülerin der Klasse 12 an der Freien Waldorfschule Uhlandshöhe in Stuttgart.

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

Folgen