Kann »Waldorf« in Ungarn überleben?

Von Nana Göbel, Dezember 2011

Die freiheitsliebenden Ungarn, die sich zu sozialistischen Zeiten immer eine liberale Haltung bewahren konnten, haben 2010 eine rechtsnationale Regierung gewählt, deren Wirkungen auf den verschiedensten gesellschaftlichen Feldern zu spüren ist – auch im Schulwesen.

Ungarn: Waldorfschulen in Bedrängnis

Ein neues Schulgesetz soll im Dezember verabschiedet werden, in dem ein verbindliches nationales Curriculum enthalten ist, eine Trennung von Unter- und Mittelstufe, eine Finanzierung nach Abschlüssen der Lehrer (und nicht mehr nach einem Schüler-Kopf-Satz), eine verbindliche Evaluation von Lehrern und Schulorganisationen, eine Spezialausbildung für Direktoren und, und, und.

In dieser Situation gibt es für die ungarische Waldorfschulbewegung nur dann eine Überlebenschance, wenn es die Vereinigung der Waldorfschulen (Magyar Waldorf Szövetség) in den politischen Verhandlungen schafft, wenigstens einige Freiräume zu erhalten. Das ist aber vor allem eine finanzielle Herausforderung, die die Ungarn alleine nicht meistern können, da die Kürzungen der öffentlichen Haushalte bereits in den vergangenen Jahren dazu geführt haben, dass die Zuschüsse für die Waldorfschulen auf 50 Prozent der Gehälter und Betriebskosten gesenkt wurden und die Schulen damit schon an ihre Grenzen gestoßen sind. Viele Eltern sind inzwischen arbeitslos und nicht in der Lage, Schulgelder zu bezahlen. Das hat zur Folge, dass die Schulen ihre Vereinigung nicht mehr ausreichend finanzieren können. Das anerkannte Fortbildungsinstitut »Waldorfhaus« muss unterhalten und weiter ausgebaut werden, um künftig qualifizierende Abschlüsse vergeben und Evaluierungen durchführen zu können. Die Vereinigung der Waldorfschulen muss weiter existieren, um Änderungen des Gesetzentwurfs zu erarbeiten, die Klassenlehrer-Kontinuität zu sichern, die Waldorfcurricula genehmigungsfähig zu machen und schließlich eigene Direktoren auszubilden. Kurz, es wird versucht, das Beste aus der miserablen Lage zu machen.

Früher wurde Ungarn als »lustigste Baracke des sozialistischen Lagers« bezeichnet. Heute ist Ungarn eine traurige Baracke des kapitalistischen Lagers.

Europäische Solidarität ist nun erforderlich. Wir können den ungarischen Kollegen helfen und alles in unserer Macht Stehende tun, damit es auch in Zukunft Waldorfpädagogik in Ungarn geben kann.

Konto 13 042 010 bei der Gemeinschaftsbank, BLZ 430 609 67, Verwendungszweck: 3801 Ungarn

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