Keime inmitten der Wüste

Von Wolfgang Debus, Mai 2014

»Werde ein Mensch der Initiative«. Dieser Aufruf Rudolf Steiners wird von Wolfgang Ritter in seinem Buch zitiert und ist der Leitspruch für alle Menschen, deren außerordentliche gesellschaftsbildende Fähigkeiten und Tätigkeiten er in seinem Buch beschreibt.

Ihnen ist gemeinsam, dass sie sich nicht dem Mainstream der Versorgungsmentalität ergeben.

Die Menschen der Initiative, die der Autor während neun Jahren in allen Erdteilen besucht hat, haben ihre Aufgaben ergriffen, weil die Not der Menschen und der Erde sie dazu aufgerufen hat. Beginnen wir mit dem letzten Kapitel des Buches, denn es bildet die gedankliche Grundlage. In wenigen Worten beschreibt der Autor das Wesentliche aus dem anthroposophischen Fundament für die Wirkungsbereiche, die den Eingang in das praktische Leben gefunden haben: die Dreigliederung des sozialen Organismus, den biologisch-dynamischen Landbau, die anthroposophische Medizin, Waldorfpädagogik, Lebensgemeinschaften für besondere Menschen, Praktiken brüderlichen Wirtschaftslebens.

Wolfgang Ritter nimmt uns auf seine Reise mit, die uns zum Staunen bringen kann über das, was alles an guten Taten auf der Welt geschieht und wo der Samen des Dienstes am Menschen und der Erde reichhaltig Früchte bringt.

Wenn auch Mitteleuropa immer noch als das Paradies der Möglichkeiten und Freiheiten gesehen wird, so entsteht doch der Eindruck, dass die Entwicklungskräfte dort am stärksten sind, wo großer Mangel herrscht und die Hoffnung auf reichen Ertrag und Erfolg zunächst eher dem Reich der Phantasie zugeordnet wird.

Wer kann sich auch vorstellen, dass unter den ärmsten Menschen der Welt sich ein sozial wirkendes Kreditsystem etablieren kann, das Millionen von Menschen Selbstständigkeit und Lebensunterhalt bringt und von Regierungen genutzt wird, wie die Grameen-Bank in Bangladesh? Wer mag sich vorstellen, dass ausgerechnet in der Wüste Ägyptens mit Sekem eine blühende biologisch-dynamische Farm entsteht, die nicht nur vielen Menschen Brot und Arbeit gibt, sondern ein bedeutendes gesellschaftliches und kulturelles Zentrum mit einer Universität wird? Wie kann es sein, dass Schüler und »Ungebildete« erfolgreich unterrichten und in einem Drogen-Slum Kultur und Menschlichkeit einkehren? Viele weitere dieser Beispiele machen Mut und Hoffnung. Ein Buch, das anregt, selber initiativ zu werden!

Wolfgang Ritter: Initiativen, die die Welt verändern, Taschenbuch, 278 S., EUR 18,–, Verlag Ch. Möllmann, Borchen 2014

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