Kein Studium ohne eine Sehnsucht

Von Marcelo da Veiga Greuel, Oktober 2011

Nach welchen Kriterien wählen Hochschulen heute Studienanfänger aus? Haben sie dabei besondere Erfahrungen mit ehemaligen Waldorfschülern gemacht? – Antworten gibt Professor Marcelo da Veiga, Gründungsrektor an der Alanus Hochschule in Alfter.

Junge Menschen, die heute studieren, haben es mit ganz neuen Möglichkeiten zu tun. Bologna gliedert das Studium in Bachelor- und Master-Abschlüsse. Nach drei bis vier Jahren ist man fertig und kann sich dann entweder im eigenen Fach weiter spezialisieren oder im Masterstudium einen ganz neuen Schwerpunkt setzen und ist dann trotzdem mit 25 Jahren bereit für den Beruf. Jemand kann zum Beispiel im Erststudium ein künstlerisches Fach und dann im Master Wirtschaft studieren. Der Schulabgänger kann angesichts dieser Freiheit gelassener auf das Studium zugehen.

Die Alanus Hochschule achtet darauf, dass die Bewerber die Bereitschaft zeigen, sich kritisch mit Zeitfragen zu beschäftigen und auf die ethische Verantwortung zu blicken, die sie mit einem Beruf übernehmen werden.

Wer bei uns zum Beispiel Wirtschaft studiert, wird im Studium mit Fragen der ökologischen Nachhaltigkeit oder der sozialen Verantwortung konfrontiert. Wer für das Lehramt studiert, den versuchen wir für die hohe Verantwortung für den einzelnen Menschen und für die Gesellschaft zu sensibilisieren.

Ferner erwarten wir die Bereitschaft, über den Tellerrand des eigenen Studienfaches hinauszublicken und sich mit Studierenden anderer Disziplinen auseinanderzusetzen. Wir laden jeden Bewerber zu einem Gespräch ein und versuchen uns, ein Bild von seiner Motivation und seinen Fähigkeiten zu verschaffen. Es ist wichtig, mit einem Anliegen, mit einer Frage, mit einer Beunruhigung oder Sehnsucht in ein Studium einzutreten, sonst findet man keine Antworten.

Zwar kommt der überwiegende Teil unserer Studenten nicht aus Waldorfschulen, aber unsere Erfahrung mit Absolventen von Waldorfschulen ist sehr positiv. Waldorfschüler sind häufig sehr motiviert, engagiert und fühlen sich in der Regel bei uns sehr wohl. Aus Gesprächen habe ich erfahren, dass dies daran liegt, dass sie einerseits das Gefühl haben, an einer ganz normalen Hochschule zu studieren, und andererseits doch die Möglichkeit sehen, an Dinge anzuknüpfen, die sie aus ihrer Schulzeit kennen. Im Kunstbereich bietet das Studium auch eine Alternative zum Abitur, denn nach einer Begabtenprüfung ist der Einstieg in das Studium auch ohne Abi möglich, und der Abschluss des Kunststudiums enthält neben dem Hochschulabschluss automatisch auch das Abitur. Das heißt, ein Kunstabsolvent kann anschließend auch noch andere Studiengänge an anderen Universitäten beginnen.

Die Alanus Hochschule ist eine Kunsthochschule mit universitärem Status. Sie bietet verschiedene künstlerische und wissenschaftliche Studiengänge an. Regelvoraussetzung für ein Studium ist die allgemeine Hochschulreife, doch die Alanus Hochschule kann in ihre Studiengänge auch Studierwillige mit Berufsausbildung und -praxis aufnehmen sowie Anwärter ohne Hochschulreife, die eine besondere künstlerische Begabung in einem Aufnahmeverfahren nachweisen.

Professor Marcelo da Veiga, Gründungsrektor an der Alanus Hochschule in Alfter.

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