»I Am Greta«

Von Maria Knilli, Februar 2022

Nathan Grossman hat sich schon für Greta Thunberg interessiert, als sie noch ganz allein mit einem handgeschriebenen Pappschild vor dem Parlament in Stockholm saß: »Skolstrejk för klimatet« (Schulstreik für das Klima) war darauf erstmals zu lesen.

Greta bei der Klimakonferenz in Kattowitz (Polen)

Der Filmemacher hatte im Bekanntenkreis von Gretas Plan gehört und darum gebeten, sie dokumentarisch begleiten zu dürfen. Und Grossman ist drangeblieben! Weder sie noch er konnten ahnen, dass Greta binnen weniger Monate eine weltweite Jugendbewegung zur Rettung des Klimas in Gang setzen würde, die Fridays for Future. Diese Haltung des Filmemachers der Schülerin Greta gegenüber, sein echtes Interesse, macht den Film so sehenswert. Grossman drehte allein, war gleichzeitig Regisseur, Kamera- und Tonmann. So konnte er Greta und ihr Umfeld dokumentieren, ohne zu stören. Von August 2018 bis August 2019 war er bei allen wichtigen Auftritten der jungen Aktivistin dabei, und begleitete sie im Alltag: in der Schule, mit der Familie, mit Hunden und Pferd. Greta Thunberg hat Nathan Grossman ihr Vertrauen geschenkt. Wir erleben sie lachend, schweigend, tanzend, schreibend, weinend.

An Bord der Segeljacht zum Beispiel, mit der sie und ihr Vater Svante zum UN-Klimagipfel nach New York reisen, sehen wir Greta an einem Tiefpunkt. Sie ist erschöpft und verzweifelt angesichts der körperlichen Anstrengung dieser Reise bei hoher See, aber auch unter Druck angesichts der hohen Erwartungen, die sie an sich selbst hat. Die zornige, berühmt gewordene »How dare you!« -Rede der 16-Jährigen vor der UN in New York ist dann der Höhepunkt ihrer Aktivistinnen-Tätigkeit bis dahin.

In Statements und Tweets positionieren sich führende Staatsmänner und -frauen aus der ganzen Welt zu Greta. Entweder wird sie bewundert oder beleidigt. Es wird deutlich, wie stark das Mädchen sein muss, um mit der in kürzester Zeit gewachsenen Bekanntheit umzugehen.

Greta selbst führt als Off-Erzählerin durch den Film. Sie denkt laut über ihr Leben nach und spricht auch über das Asperger-Syndrom, das sie hat. Greta Thunberg sagt ein paar unvergessliche Sätze in diesem Film. Zum Beispiel, dass es gut wäre, wenn jeder ein bisschen Asperger hätte, zumindest in Sachen Klima, also auch so hartnäckig am Thema dran bliebe wie sie. Oder: »Ich will nicht jemand sein, der das eine sagt und was anderes macht.« Überhaupt hat mich sehr beeindruckt, wie das schwedische Mädchen mit höchster Konzentration seine prägnanten Reden in englischer Sprache schreibt.

Es ist spannend, sich mit der unbeirrbaren Greta Thunberg auseinanderzusetzen. Sich zum Beispiel zu überlegen, ob man auch so leben wollte oder könnte. Der Film bietet in seiner ruhigen, unaufgeregten Art Raum dafür. Ich empfehle »Ich bin Greta« für Menschen ab zwölf Jahren. Der Film steht in einer sehr guten deutschen Fassung in der ARD-Mediathek zum Streamen bereit.

»I Am Greta« (Ich bin Greta) von Nathan Grossman (Deutschland/Schweden, 2020, 88 Minuten)

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