Leben angesichts des Todes

Von Ulrike Schmoller, November 2012

Sam zieht es nach oben in den Himmel. Sein größter Wunsch, in einem Luftschiff zu fahren, geht tatsächlich in Erfüllung. In einer sternklaren Nacht steigt er noch einmal in den Apfelbaum, und dort fühlt er sich, als ob er wirklich auf dem Mond wäre. Gleichzeitig will er aber auch noch all die ganz irdischen Dinge ausprobieren, die Jugendliche so tun: rauchen, trinken, küssen und auf einer Rolltreppe in die falsche Richtung laufen. Gemeinsam mit seinem Freund Felix hakt Sam alle Punkte seiner Wunschliste ab, ein Wettlauf gegen die Zeit, denn beide sind todkrank.

Sie machen sich viele Gedanken über das Sterben und was danach kommt und fragen sich, warum Gott Kinder sterben lässt. Wie ist das mit den Nahtoderfahrungen und wie kann es sein, dass die kleine Schwester den verstorbenen Großvater im Zimmer sehen kann? Sam erlebt, wie sein Freund vor ihm stirbt und beerdigt wird. Wenig später ist es für ihn Zeit, zu Hause Abschied zu nehmen.

Sam ist ein tapferer kleiner Kerl. Er geht direkt auf die Dinge zu und geht ihnen auf den Grund. Natürlich wird es einem ganz anders, wenn er von seiner letzten Schlittenfahrt erzählt, auf der er sich so lebendig gefühlt hat wie noch nie.

Oder wenn sein Vater mitten in der Nacht zu ihm sagt: »Ich habe dich so lieb.« Sam hat aber eine bestimmte Art von Galgenhumor und so eine unbändige Lebenslust, dass dem Ganzen die Schwere einfach weggeblasen wird. Mit Frechheit, Intensität und verschmitzter Freude stürzt sich Sam so tief ins Leben hinein, wie es vielleicht nur im Angesicht des Todes möglich ist. Wenn man Sams Aufzeichnungen gelesen hat, lebt man sein Leben anders. 

Sally Nicholls: Wie man unsterblich wird: Jede Minute zählt, ab 11 Jahren, Taschenbuch, 197 S., EUR 8,95, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011

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