Der dreigliedrige Lohn

Von Michael Birnthaler, Mai 2015

Leserbrief zum Thema »Befreit das Geld«, »Erziehungskunst«, Januar 2015.

Es gibt kaum etwas, worüber mehr gestritten wird: ein gerechter Lohn. Dennoch: Meist wird der Lohn als ungerecht empfunden. In der Regel auch zu Recht, denn der Lohn wird normalerweise einseitig und eindimensional gebildet. So haben wir einen Lohn, der sich entweder einseitig aus dem »Leistungsprinzip« (Wirtschaft), dem »Gerechtigkeitsprinzip« (Staat) oder dem »Bedürfnisprinzip« (z.B. Kirche) begründet. Diese drei Lohnprinzipien korrespondieren nicht nur mit den drei gesellschaftlichen Idealen (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit), sondern auch mit den Wesensanteilen des Menschen: der Leistungslohn mit dem Freiheitspol, der Gerechtigkeitslohn mit dem Gleichheitspol, der Bedürfnislohn mit dem Brüderlichkeitspol.

Ein humaner Lohn müsste jedoch aus allen drei Bestandteilen gleichermaßen zusammengesetzt sein: einem Gleichheitsanteil, dem Grundeinkommen vergleichbar, dem Bedürfnisanteil, der etwa einem treuhänderischen Fond einer Einrichtung (Waldorfschule) zu entnehmen wäre (für Familien, Notlagen …), und dem Leistungsanteil, der den Grad der Verantwortungsübernahme würdigt. Hier empfiehlt Rudolf Steiner eine maximale Lohnspreizung von 1:10 und, dass alle Mitarbeiter und Kollegen, die eine ähnliche Verantwortung innehaben, auf der gleiche Stufe stehen und dieser Stufe entsprechend entlohnt werden.

Mit diesem dreigliedrigen Lohnmodell versucht die Organisation EOS-Erlebnispädagogik seit einigen Jahren die ersten experimentellen Erfahrungen zu sammeln. Hinzu kommt, dass der Lohn bei einer Gruppe von Freiwilligen durch ein »Zuspruchsverfahren« den einzelnen Mitarbeitern von der Gemeinschaft »zugesprochen« wird. Dieses Verfahren hatte Rudolf Steiner speziell den Priestern ans Herz gelegt. Mit diesem Modus war die Hoffnung verbunden, die Trennung von Arbeit und Einkommen zu veranlagen (»Soziales Hauptgesetz«). Vor diesem Hintergrund war ich ebenso überrascht wie erfreut, in dem Artikel von Henning Kullak-Ublick von diesem Modell zu lesen.

Link: http://www.eos-ep.de/eos-erlebnispaedagogik/eos-erlebnispaedagogik-jobs.htm

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

Folgen