Digitalisierung auch positiv

Von Christian Leetz, April 2019

Leserbrief zu Heft 4/2019 zum Thema »Digitalisierung«.

Mit großem Interesse habe ich die Berichte über die Digitalisierung der kindlichen Lebenswelt gelesen. Danke, dass Sie dieses wichtige Thema aufgreifen, welches auch bei uns in der Elternschaft der Freien Waldorfschule Krefeld diskutiert wird. Wie wahrscheinlich jeder hier stimme ich den Aussagen der Autoren zu, die den Lehrer als wichtigsten Bezugspunkt des Unterrichts beschreiben. Und dass körperliche Bewegung, haptische Erfahrungen und persönliche Begegnungen das Wichtigste für das Lernen und die gesunde Entwicklung unserer Kinder sind, stellt auch niemand in Abrede. Dennoch wird mir hier zu sehr schwarz-weiß gemalt. Warum Kinder möglichst pauschal bis zum zwölften Lebensjahr von digitalen Medien fernhalten? Was ist mit den positiven Aspekten digitaler Medien? Warum betonen die Autoren nur die negativen Seiten? 

Unsere Tochter spricht zum Beispiel zweimal im Monat via Facetime/Skype mit ihren Cousinen. Diese wohnen 300 Kilometer entfernt. Neben gemeinsamen »echten« Urlauben, Familienfeiern etc. ist das Videotelefonat eine wunderschöne Möglichkeit, lebendig, wenn auch digital, miteinander in Kontakt zu bleiben. Hier werden soziale Bindungen gestärkt – und spielerisch nebenbei, unter elterlicher Anleitung, auch zeitgemäße Kommunikationsmethoden erlernt. Auf die Dosis kommt es an! Und genau hier sind wir als Eltern als Korrektiv gefragt. Und als jene, die den verantwortlichen Umgang mit digitalen Medien vorleben. Dies wird nicht dadurch erreicht, dass wir selbst in Anwesenheit unserer jüngeren Kinder total auf das Nutzen z.B. unseres Smartphones verzichten. 

Oder nehmen wir das Thema digitale Informationsbeschaffung. Ich möchte, dass meine Tochter so selbstständig wie möglich ist. Was der Mensch selbst kann, soll er selbst auch tun, lernt sie auf ihrer Waldorfschule. Dazu gehört, dass sie sich morgens selbst anzieht. Um richtig einschätzen zu können, was sie aus dem Schrank braucht, bediente sie sich eines Morgens dem Sprachassistenten: »Ok Google, wie wird das Wetter heute?«. Seither nutzt sie das regelmäßig, bekommt aber von mir wiederum mit, dass erst der Blick aus dem Fenster oder ein Schritt vor die Tür, die Netz-Information komplettiert. Sie ist glücklich über dieses Stück Selbstständigkeit. Dass sie durch kurze Zeiten digitaler Mediennutzung gestresst wäre, kann ich nicht erkennen. Ich sehe auch die Vorteile. Der letzte Punkt, »Voice-Search«, zeigt übrigens einen Aspekt, den die Autoren überhaupt nicht berücksichtigt haben, der uns aber mit voller Wucht treffen wird. 

Ich würde mich freuen, wenn ich mit diesem Beitrag zu weiteren Diskussion anregen könnte.

Weiter bedanke ich mich für ihre Arbeit & sende beste Grüße

Christian Leetz

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