Leserbrief zu: »Wie inklusiv sind die Waldorfschulen?«, Mai 2012

Von Doris Didion-Velten, Juni 2012

Liebes Erziehungskunst-Team,

gestatten Sie mir bitte eine Anmerkung zu einem Artikel in der diesjährigen Mai-Ausgabe: »Wie inklusiv sind Waldorfschulen?«.

Wenn man den Artikel nicht liest, sondern nur die Überschrift und die schönen Fotos zur Kenntnis nimmt, könnte man denken, der abgebildete fröhliche Junge sei an einer Waldorfschule ...

Leider ist dem nicht so: Unser Sohn Henri, 10 Jahre, Down-Syndrom, kann nicht wie seine drei Geschwister die Waldorfschule besuchen ... weder die »normale« Waldorfschule in Bexbach, noch die heilpädagogische Schule in Bildstock.

Gott sei Dank wurde er an einer ganz normalen Staatsschule (Grundschule) mit offenen Armen aufgenommen und wechselt nun zum dritten Schuljahr in die Montessori-Schule ... keine Schule für Behinderte, aber OFFEN für Behinderte. Sowohl die Grundschule als auch die Montessori-Schule legen Wert darauf, auch solche Kinder aufzunehmen. Sie finden, dass dies allen Kindern zugute kommt.

Wie es uns bei unserem Bemühen um einen Platz an der Waldorfschule ergangen ist, können Sie unter dem Punkt »Schule« auf Henris Website verfolgen.
Natürlich kann ich die Frage in der Überschrift nur für die beiden Waldorfschulen beantworten, die für Henri in Frage gekommen wären; wohlwissend, dass es andere Waldorfschulen gibt, die längst neue Wege beschritten haben. Unsere Antwort kann nur lauten: Gar nicht.

Freundliche Grüße

Doris Didion-Velten
www.der-kleine-henri.de

Kommentare

Sandra Klatt-Olbrich, Hamburg, 14.06.12 10:06

So nämlich sieht die Wirklichkeit aus: Eine Grenze wird mitten durch Familien hindurch gezogen, Geschwisterkinder getrennt, weil Kinder wie Henri keinen Platz finden an der Waldorfschule. Gerne wüsste man doch um die (Hinter)Gründe, warum die beiden angesprochenen Waldorfschulen Henri nicht angenommen haben (interessant, der doppelte Wortsinn!). Es braucht (leider) wohl streitbare Eltern und mutige, integere Klassenlehrer, die ein Exempel statuieren. Ihnen und Ihrem Kind wünsche ich alles Gute und viel Glück!

mina rumpeldina, Bochum, 03.03.15 19:03

Hallo!

Uns ist es heute auch so ergangen, nur dass es sich um das dritte und letzte Kind handelt, das aus dem Waldorf Kindergarten in die Waldorfschule wechseln sollte.
Ein Kind,was bis dahin nie auffällig war.
Nach einer Begutachtung von ca.30 Minuten der lapidare Satz, man könne dem Kind nicht gerecht werden.
Jede Waldorfschule macht ihre eigenen Gesetze, folgt ihrer eigenen Autonomie. Willkürlich, verletzend und stur.
Unser Kinderarzt macht neue Termine wenn Kinder Tests nicht machen wollen, diese Schule macht das nicht.
Urteil gfällt.
Was wir daraus nun machen, oder das es uns tief verletzt interessiert dort niemanden.
Ganz ehrlich?
Mein Waldorfbild ist heute zerplatzt und ich würde nie wieder eine Waldorfschule in Erwägung ziehen.
Wenn ein Ablehnung folgt, kann man dagegen nichts machen.
Rein gar nichts.

Doris Didion-Velten, 09.04.15 00:04

Liebe Mina,

es tut mir leid, dass ihr eine ähnliche Erfahrung machen musstet wie wir und ich kann eure Enttäuschung sehr gut verstehen. Andererseits haben wir in den vergangenen 16 Jahren an Waldorfkindergarten und -schule so viele gute Erfahrungen gemacht, dass wir uns nicht von unserem Traum verabschieden mochten, dass auch Henri vielleicht irgendwann einmal eine Waldorfschule besuchen darf - wie seine drei Geschwister... Und nun haben sich tatsächlich neue Wege aufgetan: Er wird im kommenden September in die 5.Klasse "unserer" Waldorfschule aufgenommen. Die Schule wird sich nun einer Herausforderung stellen, die für Staatsschulen (zumindest im Saarland) mittlerweile alltäglich ist. Bisher haben wir mit Inklusion nur gute Erfahrungen gemacht und wir hoffen sehr, dass der Inklusionsgedanke auch bei Waldorfs immer selbstverständlicher wird.
http://www.henri-mittendrin.de/blog/ oder http://www.henri-mittendrin.de/kindergarten-und-schule/schulkind-henri/

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