Zur Rolle gestifteten Geldes. Zwischenruf eines Elternteiles

Von Thorsten Ziebell, September 2016

Je weiter man von der einzelnen Einrichtung »Schule« oder »Kindergarten« vor Ort auf die Ebenen der übergeordneten regionalen oder bundesweiten Vertretungen und Gremien kommt und sich auch dort im Sinne der gemeinsamen Trägerschaft Eltern als Mitgestalter anerkannt wissen möchte, umso häufiger bekommt man die Ansicht zu hören, dass der finanzielle Beitrag der Eltern Schenkungsgeld sei und der Sinn einer Schenkung gerade darin bestehe, dass dieses Geld frei, ohne Bedingung oder Einflussnahme verwendet werden könne.

Auch wenn diese Schenkung eine Art Zwangsschenkung ist (ohne Schulgeld kein Schulbesuch – auch wenn Aufnahme- und Beitragsgespräch entkoppelt sind), scheint diese Argumentation schlüssig.

Doch schwerer nachzuvollziehen ist angesichts dieser Argumentation, welche Einflussnahme von Stiftungen hingenommen wird. Dabei sollte gerade Stiftungsgeld Schenkungsgeld im ureigensten Sinne sein. Albrecht Hüttig schrieb in der Januarausgabe 2015 dieser Zeitschrift unter dem Titel »Das Diktat der Stifter«, Stiftungen hätten bei der Mittelvergabe bestimmte Methoden, die offenbar werden, wenn die Gretchenfrage an sie gestellt werde: »Gebt Ihr Schenkungsgeld oder politisiertes Geld? Verhelft Ihr sozialen Ideen anderer zur Umsetzung oder wollt ihr andere zur Umsetzung Eurer Ideen bringen? Weil der Staat spart und die Stiftungen viel Geld haben, ist die Verlockung, solches Geld zu den genannten Bedingungen anzunehmen, groß.« Nun kann man seit einigen Jahren beobachten, welch direkten Einfluss zumindest eine Stiftung nicht nur finanziell, sondern auch inhaltlich auf die Entwicklung der Lehrerbildung nimmt. Sie stiftet jährlich einen Millionenbetrag und nimmt mittlerweile wie selbstverständlich an internen Arbeitskreisen teil.

Um nicht missverstanden zu werden: Auch ich bin dankbar für das große finanzielle Engagement. Wenn aber gegenüber Elternvertretern erklärt wird‚ mit der Schenkung habe der Beschenkte die freie Verfügung über das geschenkte Geld, sollte dies auch für Stiftungen gelten. Um das finanzielle Engagement der Eltern zu verdeutlichen, folgendes Rechenbeispiel aus veröffentlichten Daten: Laut Jahresabschluss der Freien Waldorfschulen 2015 leisteten die Eltern im Jahr 2013 Beiträge von 1.979 Euro für jeden der 85.103 Schüler, also mehr als 168 Millionen Euro. Hinzu kommen, wie einer auf der Bundeselternratstagung 2016 in Berlin vorgestellten aktuellen Studie zu entnehmen ist, mindestens weitere 31 Millionen Euro für die ehrenamtliche Leistung der Eltern – ohne Baugeld und Spenden. Der von Eltern für das Schuljahr 2014/15 erbrachte Anteil für Lehrerbildung und Verbandsaufgaben weist derselbe Jahresbericht mit 12,6 Millionen Euro aus. Das sind Gründe, die meines Erachtens mehr als nahelegen, die inhaltliche Einflussnahme von Stiftungen auf unsere Verbandspolitik, die von freiem Schenkungsgeld lebt, einer kritischen Betrachtung zu unterziehen. ‹›

Zum Autor: Thorsten Ziebell engagiert sich seit mehr als 21 Jahren als Vater in Waldorfkindergärten und -schulen in Schleswig-Holstein; er ist Elternvertreter in Landes- und Bundesgremien.

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