Maskenpflicht und Waldorfpädagogik – geht das zusammen?

Von Karin Linder, Oktober 2020

Leserbrief zum Editorial »Gesichtslos« in Erziehungskunst 10/2020.

Rudolf Steiner, dem Begründer der Waldorfpädagogik, war es ein Anliegen, dass alles von ihm Geschilderte eigenständig durchdacht und durchlebt wird. Eine blinde Übernahme seiner Einsichten und die gedankenlose Befolgung seiner Empfehlungen lehnte er strikt ab.

In der »Allgemeinen Menschenkunde«, in der Grundlegendes zur Waldorfpädagogik ausgeführt wird, wird geschildert, wie das »richtig Atmen lernen« Voraussetzung für ein gesundes und selbstbestimmtes Leben ist. Unterstützt wird dieses »Atmen-Lernen« durch einen angstfreien, künstlerischen und bewegungsorientierten Unterricht.

Nach meiner Beobachtung behindert das Tragen einer Maske ein freies Atmen, manchen Kindern und Lehrern wird es schwindelig, man schwitzt, das Sprechen fällt schwer. Tiefes Durchatmen ist kaum möglich. Der Mensch konzentriert sich auf sein Atmung, Unterrichtsinhalte werden nur mit Mühe aufgenommen. Vor nicht allzu langer Zeit warnte das RKI und die WHO vor zu langem Tragen einer Maske, Ärzte warnen vor Hyperkapnie, erhöhtem CO2-Gehalt bis hin zu irreversiblen Traumata.

Als physisches Wesen ist der Mensch krankheitsanfällig und sterblich. Der Anfälligkeit für Krankheit kann man entgegenwirken, wenn man sich der geistig-seelischen Natur des Menschen bewusst wird und diese stärkt. Und an dieser geistig-seelischen Natur setzt die Waldorfpädagogik an. Sie erhebt den Anspruch, auf den Menschen bis ins Physische hinein nachweisbar gesundend zu wirken.

Grundlage dafür ist das ganzheitliche Wahrnehmen von Menschen und das Ziel, das richtige, harmonisierte Atmen einzuüben. Um dies zu bewirken, muss das Kind maskenfrei wahrnehmen und wahrgenommen werden. Es braucht die direkte Ansprache, Nähe, menschliche Wärme als Voraussetzung für ein offenes und angstfreies Leben. Die Verbindung sowie die Liebe zur Welt und zum Menschen ist durch bewusste Distanzierung und Maskierung nicht zu erwerben.

Denn das ist das Widersprüchliche: Die ganzheitliche Wahrnehmung, ja sogar die Nähe zu anderen Menschen infiziert und immunisiert zugleich! Wer sich als rein physischer Mensch versteht und wer sich nur darüber definiert, der wird sich durch seine eigene Angst selbst die Grundlage zu einer erhöhten Krankheitsdisposition schaffen.

Wer sich als seelisch-geistiges Wesen wahrnimmt, sich als solches erkennt, der wird die Angst durch die Notwendigkeit der Mitmenschlichkeit ersetzen. Und diese Mitmenschlichkeit wird nicht durch Distanz und Atmungseinschränkung definiert, sondern durch die Freiheit, sich atmend begegnen zu können und den Atem des anderen Menschen nicht als tödlich zu definieren, seinen Mitmenschen nicht als potenziell gefährlich zu betrachten, sondern als Bereicherung.

Jetzt ist Mut und sind Ideen gefragt, welche sich auf den Boden des Rechts für die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen einsetzen. Konzepte und Vernetzungen bestehen schon (Kontakt: anthro-karinlinder(at)web.de)

Herzliche Grüße

Karin Linder

Zur Autorin: Karin Linder war Waldorfschülerin an der Freien Waldorfschule Engelberg, studierte Lehramt an Gymnasien und unterrichtet heute als Waldorflehrerin in der Oberstufe.

Kommentare

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

Folgen