Avatar – Vision einer besseren Welt

Von Lorenzo Ravagli, März 2010

Aliens sind bessere Menschen. Sie lebten schon immer auf der Erde ...

Im Hinduismus ist ein Avatar die irdische Erscheinungsform eines Gottes. Vishnu tritt in vielerlei Gestalt auf, um in die Geschicke der Menschen einzugreifen. Heute spielen Avatare in der Welt der Blogger und Internetforen eine Rolle: virtuelle Identitäten, hinter denen sich reale Personen verbergen.

In James Camerons Film »Avatar – Aufbruch nach Pandora« nimmt der Begriff noch eine weitere Bedeutung an: Menschen nehmen durch genetisch-technische Manipulation die Gestalt der Bewohner des Planeten »Pandora« an, um sich unbemerkt unter sie mischen zu können, mit der Absicht, an die wertvollen Mineralien heranzukommen, die unter einem heiligen Baum lagern. Der Film erzählt davon, wie einer dieser Avatare durch die Erfahrungen, die er in seinem neuen Körper macht, aus einem teilnehmenden Beobachter zu einem handelnden Rebellen wird. Denn was der ehemalige, gelähmte Marinesoldat Sully in seinem neuen Körper erlebt, kommt einer Einweihung gleich. Die Liebe spielt dabei eine nicht unbedeutende Rolle. Er besteht alle Prüfungen, die auf ihn warten, ehelicht die Häuptlingstochter Neytiri und wird zum Retter ihrer Welt vor Aggressoren.

Auch der Zuschauer erlebt eine Einweihung: Das ist der exzellenten Animationskunst zu verdanken, die eine im Kino bisher nie gesehene dreidimensionale Welt auf die Leinwand zaubert: eine Welt schwebender Berge, phosphoreszierender Moose, lichtschimmernder Bäume, farbenschillernder Flugechsen, die sich wie eine zweistündige Halluzination über uns ergießt. Wer wie Sully in diese Welt versinkt, in der die Natur ein einziges zusammenhängendes Lebewesen ist, dessen Bewusstsein durch alle Pflanzen und Tiere pulsiert, in das die Bewohner des Planeten Pandora eintauchen können, der wird verändert aus dem Kino kommen.

Ihm werden die Parallelen zwischen der realen Welt und der Fiktion auch nicht entgehen, in der sich derselbe Kampf zwischen den Mächten der technologischen Zerstörung und den Mächten des Lebens abspielt. Der Film ist ein Fest für die Augen und zutiefst  mystisch. Dass Cameron den Nerv unserer Zeit trifft, zeigt sich auch daran, dass der Film alle Einspiel-Rekorde gebrochen hat.

»Avatar – Aufbruch nach Pandora«, Science Fiction-Film USA 2009, 161 Min. Regie: James Cameron.

Die offizielle Website des Films.

Folgen