Briefe aus dem Schützengraben

Von Frank Hörtreiter, April 2010

Dieses Buch ist ein einzigartiger Fund: da schreibt 1943/44 ein Vater an »Schnupper«, seine Tochter, zur Vorbereitung ihrer Konfirmation. Der Vater ist Pfarrer der Christengemeinschaft, die von 1941 bis 1945 vom nationalsozialistischen Staat verboten war. Die neun Briefe des Flak-Soldaten entstehen in nächtlichen Kampfpausen und sollen dem Kinde das Christusleben und -wirken erschließen.

Die Sprache ist einprägsam, für ein Kind verständlich und zugleich frei von jeder Simplifizierung oder konfessionellen Enge. Ein Lehrstück, wie man gegenüber geliebten Heranwachsenden zum Wesentlichen kommen kann. Aber wichtiger scheint mir noch zu sein: Was passiert, wenn ein Vater den Mut findet, sein Innerstes einem Kinde zu enthüllen? Selbstverständlich ist es eine besondere Lage, aus dem Krieg und der Trennung heraus zu schreiben, aber geht es heutigen Vätern wirklich anders? Wer es schwer findet, sich seinen Kindern mitten in der Pubertät mitzuteilen, der wird in diesem Buch vielleicht einen Rückhalt finden. Und man kann das schmale, schöne Büchlein auch Heranwachsenden – rund um die Konfirmation etwa – schenken.

Gottfried Richter: Briefe an Schnupper. 96 S., brosch. EUR 12,80. Verlag Johannes Mayer, Stuttgart/Berlin 2010

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