Elemente und Ätherarten

Von Manfred Schleyer, März 2010

Einen Lehrer in den Naturwissenschaften, insbesondere in der Biologie, bewegen neben Fragen zu den Schülern, zur Didaktik und den Prüfungen, Fragen, wie die wesentlichen Inhalte der Molekularbiologie, Genetik und der Evolution untergebracht werden können, ohne den grundlegenden (phänomenologischen) Zugang zu Tieren und Pflanzen aus den Augen zu verlieren. Die vier Elemente oder die Ätherarten werden zumeist, wenn überhaupt, in den unteren Jahrgängen vom Klassenlehrer behandelt. So steht dieses Thema nur begrenzt im Blickpunkt des Oberstufenlehrers. Ist hier eine Neubesinnung nötig? Muss den vielen Quer- und Neueinsteigern an den Schulen dieses Thema nähergebracht und ein Verständnis der Elemente und des Äthers ermöglicht oder erleichtert werden?

Schüler schildern heute Wahrnehmungserlebnisse, die das Sinnliche überschreiten, also im Elementarischen oder darüber hinaus anzusiedeln sind. Kurs- und Seminarangebote und Wahrnehmungsübungen in diesem Bereich zeigen, dass ein Interesse besteht, sich auch mit der Welt der Bildekräfte zu beschäftigen.

Das Buch Elemente und Ätherarten versucht eben dies zu leisten. Schon in den einleitenden Worten wird darauf aufmerksam gemacht, dass ein reduktionistischer naturwissenschaftlicher Unterricht im Schüler der Oberstufe, der eine reiche, innere Erfahrungslandschaft zu erleben beginnt, die Empfindung weckt, er habe nichts mit der Welt zu tun.

Rudolf Steiner empfiehlt eine Beschäftigung mit der Elementenlehre, um diese Trennung zu verhindern. Dies kann natürlich nicht einfach in alter Form geschehen, vielmehr müssen diese Inhalte in die heutige Zeit übertragen und für den Schüler umgeschmolzen werden, sodass die hinter den Begriffen stehenden Inhalte und Impulse im Unterricht aufleuchten können. Der Umgang mit den Elementen und Ätherarten ist so auch ein Übungsweg, der die Erfahrungen des Lehrers befruchtet, ein Übungsweg, den die Autoren mit ihren Ausführungen bewusst anregen wollen.

Olaf Oltmann stellt nach einer kurzen Einführung in die griechische Lehre von den Elementen die Beziehung zwischen der Metamorphose- und Elementenlehre im Goetheschen Sinne, dem Pflanzentypus und den Ätherarten her. Viele Beispiele und kenntnisreiche Schilderungen vermögen die Inhalte und die geschichtlichen Zusammenhänge dem Leser nahe zu bringen. Die Ätherarten werden eingeführt und eine Beziehung zum Wasser sowie zu Wasser und Mond hergestellt. Diese Grundlagen werden im Folgenden benutzt, um sie auf die Algen anzuwenden. Ein reicher Bildteil ergänzt die Darstellung.

Weiteres zur Rolle des Planktons in den Meeren, der Beziehung des chemischen Äthers zu den im Wasser lebenden Pflanzen sowie eine stammesgeschichtliche Ableitung folgt und wird mit einer kurzen Anregung zur Behandlung im Unterricht abgeschlossen.

All dies bietet ein reiches Übungs- und Arbeitsfeld, Wesentliches leuchtet prägnant auf und regt zur weiteren Beschäftigung an. Die Begriffsentwicklung erfolgt jedoch an manchen Stellen zu rasch oder nicht präzise genug, um zumindest den Neuling nicht zu befremden. So etwa, wenn ausgeführt wird, dass Algen keine Blüten und Wurzeln bilden, um wenige Zeilen später von mehr blütenhaften (Rotalgen) oder wurzel-stängelhaften (Braun-)Algen zu sprechen. Diese Begriffsunschärfe sollte vermieden werden.

Im nächsten Kapitel erläutert Hans-Ulrich Schmutz den Kohlenstoffkreislauf der Erde in Bezug zum Klimawandel. Es folgt ein Versuch von Fionna Sophia Oltmann, durch künstlerische Übungen und Auseinandersetzung mit der Hell-Dunkel-Polarität einen Weg in den Bereich des Lichtäthers aufzuzeigen. Ob der geschilderte Weg tatsächlich in den Bereich des Lichtäthers führt, bleibt offen, die vielfältigen Wahrnehmungen und Wirkungsfelder des Lichtäthers werden in diesem Beitrag nicht weiter aufgegriffen. Eine Präzisierung wäre wünschenswert.

Dirk Wagner fasst so kurz wie möglich die für dieses Buch wesentlichen Inhalte des sogenannten Wärmekurses von Rudolf Steiner zusammen. Dieses Unterfangen ist natürlich ein Wagnis und die Ausführungen bleiben für Unkundige infolge der gedanklichen Verdichtung schwer verständlich. Hier wäre eine freiere Darstellung für den Einsteiger hilfreicher gewesen. Die Ausführungen regen jedoch an, sich selbst mit den Originaltexten zu beschäftigen.

Jörg Soetebeer vermag die griechische Elementenlehre mit besonderem Blick auf Aristoteles knapp, aber doch inhaltsreich und gut verständlich darzustellen. Insbesondere die Einbettung von Originaltexten regt die Beschäftigung mit diesem Thema an und hilft, sich in die Gedanken zu finden. Die Schilderung geschieht aus der heutigen Perspektive, wodurch sie an manchen Stellen etwas trocken wirkt – hilfreich wäre vielleicht auch einmal der Versuch, sich in das Erleben des damaligen Menschen hineinzuversetzen.

Den Abschluss bilden Ausführungen von Christian Storch, die Angaben Rudolf Steiners zur Elementen- und Ätherlehre darlegen und so wiederum mit Originaltexten einen vertieften Einblick in das Thema des Buches erlauben.

Wie schon die grundlegenden Ausführungen von Ernst Marti, auf die sich verschiedene Inhalte dieses Buches stützen, regt auch dieses Buch an, wirft Fragen auf und erregt an manchen Stellen Widerspruch. Oder weckt den Wunsch, endlich einmal abzuklären, wie denn der Lichtäther erlebt wird oder erlebt werden könnte. Die vielfältigen Ausführungen und Darstellungen zu einem Gebiet, das weder verstanden noch ausreichend bearbeitet wurde, regen dazu an, das Gespräch wieder zu beginnen und das Verständnis weiter zu bringen.

Ein Buch also, das warm empfohlen werden kann.

Olaf Oltmann et al.: Elemente und Ätherarten, Wirksamkeiten und Erscheinungsformen, edition waldorf, Stuttgart 2008.

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