Haben wir Angst vor unseren Kindern?

Von Christian Boettger, Februar 2010

Die Vorstellungen zum Wesen des Kindes in den letzten 150 Jahren und die Ratschläge zum Umgang mit dem eigenen Kind werden von Miriam Gebhardt anhand von Elternratgebern und insgesamt 73 Tagebüchern untersucht. Dabei werden die gesellschaftlichen Normen und Werte, deren Deutungen und der Umgang der Eltern mit diesen dargestellt.

Das Ergebnis: Es hat eine deutliche Veränderung stattgefunden – bis hin zu der Überzeugung, dass das Kind »schon im Säuglingsalter für kommunikativ, kompetent und selbstwirksam gehalten wird.« – Die Angst vor dem kleinen Tyrannen, der durch eiserne Disziplin gezähmt werden muss, ist ebenso wenig ein guter Ratgeber, wie ein Zusammenleben mit dem Kleinkind ohne jede Regeln.

Eine Frage bleibt allerdings offen: Wie können Eltern aus ihrer Kinderbeobachtung die richtigen Intuitionen gewinnen und nicht unreflektiert auf traditionelle Erziehungsnormen zurückgreifen?

Miriam Gebhardt: Die Angst vor dem kindlichen Tyrannen. Eine Geschichte der Erziehung im 20. Jahrhundert. 336 S., geb. EUR 24,95. Deutsche Verlagsanstalt, München 2009

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