Tu es!

Von Johannes Denger, September 2009

Peter Lampasiak ist »Auf dem Weg« achtzig Jahre alt geworden.

Es gibt vielleicht gewichtigere Neuerscheinungen, aber schwerere wohl kaum; und dabei ist dieses Buch auch noch leicht lesbar! Exakt 2.040 Kilogramm wiegt die Festschrift, die zum 80. Geburtstag des Künstlers, Werklehrers, Klassenlehrers, Schulgründers, Wandergruppenleiters, Volkstänzers oder kurz Zeitgenossen Peter Lampasiak erschienen ist. Die Herausgeber Ilse Wellershoff-Schuur und Kay Schweigmann-Greve haben einen Kunstgriff getan: Keine Laudatio im üblichen Sinne, kein Nachruf zu Lebzeiten ist entstanden, sie haben vielmehr die zahlreichen Autorinnen und Autoren gebeten, Themen zu behandeln, die den Jubilar in seinem reichen Leben beschäftigt haben, sich zu interessieren für das, was er aus Interesse getan hat. Das erweist sich als ungemein fruchtbarer Ansatz: Jugendbewegung, Allgemeinbildung und Glück; Schmetterlingsflügel der Politik; Die Waldorfschule Bothfeld als Erfahrungsraum; Reif werden zur Liebe: Pubertät und Adoleszenz; Waldorfschule und Reformpädagogik; Vom Bewegungsinstinkt der Kinder; Drogen, Natur und Erziehung, um stellvertretend nur einige Essays zu nennen. Der Politiker Gerald Häfner etwa macht sich Gedanken über »Die notwendige Wiedergeburt der Brüderlichkeit«, der Priester Erhard Kröner schreibt zu »Kultur und Kultus«, der Fußballtrainer Ralf Rangnick über »Michael der Motivator«.

Dass daneben auch noch genügend Geschichten und Anekdoten über Peter und Brigitte Lampasiak einfließen, versteht sich von selbst; unübertroffen launig zum Beispiel in der Glosse »Der alte Mann und das Mehr« des Altschülers, Journalisten und Kolumnisten der HAZ Imre Grimm. Auf edlem, von der IGEPA gespendeten Papier ist so zugleich ein anspruchsvoller Kunstband mit Handschriften des Jubilars und Fotos (J.A. Fischer) einiger neuerer Plastiken des Bildhauers entstanden.

Jede Biographie ist einmalig. Was Peter Lampasiaks Leben darüber hinaus exemplarisch macht, ist die Tatsache, dass er über Jahrzehnte nebenbei Lehrer war. Das Lehrersein dieses Menschen, der Weltliebe nicht postuliert, sondern einfach die Welt liebt, fällt ab wie Späne beim Schnitzen. Unterricht und Erziehung als quasi unbeabsichtigtes Nebenprodukt eines Lebens als Kunstwerk – vielleicht die einzig mögliche Lehrerhaltung in der Zukunft. Lampis Botschaft ist einfach: Tu es!

Ilse Wellershoff-Schuur / Kay Schweigmann-Greve (Hrsg.): Auf dem Weg: Festschrift für Peter Lampasiak. 495 S., EUR 36,–. Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 2008. Direktbestellung bei: buecherstube(at)waldorf-bothfeld.de (Reinerlös zu Gunsten der Schulstiftung)

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