Wissenschaftliche Würdigung

Von Frank Steinwachs, März 2010

Schon der Titel des vorliegenden Buches macht aufmerksam. Denn immer wieder werden von Waldorfkritikern verschiedene Stereotype und Pauschalisierungen gegenüber der Waldorfpädagogik und ihrer Lehrerschaft vorgebracht, die sich auf vier Bereiche beziehen: unfundierte didaktische Arbeit, Ausländerfeindlichkeit, Elitarismus und Öffentlichkeitsverweigerung.

Die Studie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die interkulturelle Waldorfschule in Mannheim bei ihrer pädagogischen Arbeit zu begleiten und diese systematisch zu evaluieren.

In ihrem ersten Teil stellt sie die »wissenschaftliche Diskussion um die schulische Integration von Migrantenkindern« dar, im zweiten werden die Intention und das Konzept der Interkulturellen Waldorfschule sowie die Grundlinien der Waldorfpädagogik verständlich zusammengefasst, um diese als Grundlage für das alternative Konzept transparent zu machen. Interessant und sehr erfrischend ist, dass dieser Teil auch mit der historischen Ausgangs- und Gründungssituation der ersten Waldorfschule von 1919 in einen Zusammenhang gebracht wird. Immerhin geht die Waldorfpädagogik auf eine »revolutionäre soziale« Bewegung zurück, in der die »Arbeiterkinder neben denen des Direktors« saßen. Wichtig erscheint der Umstand deshalb, weil die Bildungssituation der Schüler-Familien immer mehr den mittleren und oberen Schichten, dem Bildungsbürgertum entspricht. Der dritte Abschnitt ist sicherlich der trockenste, empirisch aber auch erhellendste: Nach einer ausführlichen und verständlichen Darstellung der Analyse- und Evaluationsarchitektur werden die Ergebnisse vorgestellt. Die Evaluation beschränkt sich aber nicht nur auf die Progression der kognitiven Kompetenzen, die oft bis zur Unerträglichkeit als Messlatte des pädagogischen Erfolges angesehen werden. Im Zentrum der Untersuchung steht auch die soziale und kommunikative Situation innerhalb der Klassen, die Elternarbeit sowie die Gründe, weshalb die Eltern ihre Kinder dort angemeldet haben.

Die Autoren entlarven durch ihre wissenschaftliche Arbeit die Seriosität der eingangs genannten Stereotypen: Das Buch evaluiert auf hohem wissenschaftlichen Niveau eine fundierte pädagogische Arbeit und stellt sich dem öffentlichen Diskurs.

Michael Brater / Christiane Hemmer-Schanze / Albert Schmelzer: Interkulturelle Waldorfschule – Evaluation zur schulischen Integration von Migrantenkindern. 225 S., brosch. EUR 29,90. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008.

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