Medienerziehung ist nicht schwer

Von Raphael Kokott, März 2016

Eine bekannte amerikanische IT-Firma dominierte Anfang 2016 weltweit die Medien. Das FBI verlangte per Gerichtsbeschluss, dass diese Firma den Passwortschutz eines von ihnen hergestellten Smartphones umgehe. Die Bundespolizei wollte Kommunikationsspuren auf dem Gerät sicherstellen.

Die Firma weigerte sich, der Forderung nachzukommen. Der Attentäter von San Bernadino in Kalifornien, dem am 2. Dezember 2015 vierzehn Menschen zum Opfer fielen, nutzte ein solches Smartphone und hatte es mit einem Code geschützt. Die Schutzfunktion sieht vor, dass sich das Gerät selbst löscht, wird zehn Mal der falsche Code eingegeben. Die Firma wollte keinen Präzedenzfall schaffen, der es Kriminellen oder Behörden erleichtert, die Privatsphäre der Nutzer zu kompromittieren. Das FBI erwiderte, es wolle keine Verschlüsselung brechen oder einen Generalschlüssel in die Welt setzen. Es kam zu einer gesellschaftlichen Debatte über die Abwägung zwischen Privatsphäre und nationaler Sicherheit. Laut einer Umfrage vom 21. Februar 2016 sagten knapp über die Hälfte der Befragten, die Firma solle der Forderung des FBI nachkommen.

Etwa zeitgleich liefen die Vorbereitungen zu einer medienpädagogischen Fortbildung. Die beiden Autoren der Informationsbroschüre »Struwwelpeter 2.0«, Edwin Hübner und Franz Glaw, luden zum Thema »Medienmündigkeit und Waldorfpädagogik« ein. Ein erfreulich hoher Anteil an Klassenlehrern war anwesend. Ihr dringlichstes Anliegen: Rüstzeug für Elternabende zum Thema Medienmündigkeit zu erwerben.

Edwin Hübner, Experte in Medienpädagogik, schilderte in seinem Vortrag die Formen der direkten und indirekten Medienpädagogik sowie in welchem Alter sie in der Waldorfschule Anwendung finden. Dazu gehört die klare Unterscheidung zwischen Medienform, Medienträger und Medieninhalt.

Bei Franz Glaw, Oberstufenlehrer an der Rudolf Steiner Schule Düsseldorf, wurde es praktisch. Er verteilte Zettel mit Klassenstufen, dann folgte die Aufgabenstellung. In zwanzig Minuten sollte das bisher Gelernte in einen Medienelternabend verwandelt werden. Die Teilnehmer, teilweise überrumpelt, gingen willig an die Arbeit. Anschließend präsentierte jedes Team kurz ihren Elternabend. Große Überraschung: So schwer ist das ja gar nicht. Anschließend berichtete Franz Glaw von der medienpädagogischen Arbeit an seiner Schule, wo es ein professionelles Ton- und Filmstudio gibt. An zahlreichen Projekten können dort die Schüler an der konkreten Informationserstellung teilhaben.

Krönung der Fortbildung war erneute Praxisnähe: Innerhalb von drei Stunden erstellten die Teilnehmer aus vorhandenem Bildmaterial einen kleinen Fernsehbericht.

Edward Snowden meldete am 8. März 2016, der Geheimdienst könne ohne Weiteres das eingangs erwähnte Smartphone entsperren. Seit seinen Enthüllungen haben IT-Firmen Verschlüsselungen in ihre Geräte integriert. Die unbegründete Massenüberwachung und Vorratsdatenspeicherung wurde den Geheimdiensten erschwert. Will das FBI mit seiner Forderung erreichen, dass sich die Gesellschaft für weniger Privatsphäre und Datenschutz ausspricht?

Ab dem Schuljahr 2016/17 werde ich die Freie Waldorfschule an den Mainauen als Medienpädagoge unterstützen. In der Unterstufe vor allem mit Elternarbeit und Lehrerbildung. Die älteren Schüler werde ich durch künstlerisch praktische Medienprojekte zur Medienmündigkeit führen, damit sie lernen, die Medien als Werkzeuge verstehen und benutzen.

Zum Autor: Raphael Kokott  ist Eurythmielehrer und medienpädagogischer Berater

www.medienkompetenzgestalter.de

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