Neue Waldorfschulen

Juli 2019

Wie sehen Waldorfschulen aus, die heute gegründet werden? In vielen Großstädten gibt es gleich mehrere, in nahezu jeder Kreisstadt findet sich eine, der Zug geht aufs Land. Kurzinterviews mit Sophia Hutwagner von der Freien Waldorfschule Laubenhöhe in Mörlenbach an der Bergstraße und Lina Meiling von der Waldorfschule Eifel in Mayen.

Die Königskinder aus Mayen

Nach der Kartoffelernte an der Waldorfschule Laubenhöhe

Mayen / Eifel: Naturnah und bewegt lernen

EK | Was führte zur Gründung Ihrer Initiative? 

Lina Meiling | In der Nähe von Mayen gibt es schon viele Jahre einen Waldorfkindergarten. Doch der Weg von den umliegenden Orten zur nächsten Waldorfschule ist für viele Kinder sehr weit. Daher bestand der Wunsch der Eltern nach einer eigenen Schule schon lange. Als meine Familie in die Eifel zog, haben wir den Funken gezündet, der die Bewegung in Gang gesetzt hat. 

EK | Was wollen die Eltern?

LM | Die Eltern fühlen sich angezogen von unserem naturnahen Konzept, dem bewegten Klassenzimmer und der besonderen Lernatmosphäre. Dabei sehen viele diese Aspekte erst auf den zweiten Blick. In einem Elternabend bekannten sich die meisten Eltern dazu, dass sie sich vor allem von der »tollen Gemeinschaft und den netten Leuten« angezogen fühlen.

EK | Was ist der Stand heute?

LM | Viele verschiedene Arbeitskreise arbeiten derzeit auf die Eröffnung hin. Im August werden wir mit zwei Klassen starten. Dafür entsteht auf unserem Schulgrundstück gerade unser erstes kleines Schulgebäude. Die Eltern haben ausrangierte Schulcontainer auseinandergenommen und bauen sie mit hochwertigen, ökologischen Materialien aus.

EK | Woher kommen die Lehrer?

LM | Unsere Erstklasslehrerin begleitet uns mit Kompetenz und Kreativität schon von Anfang an. Sie, wie auch unsere Eurythmielehrerin, entstammen unserer Waldorfkindergartengemeinschaft. Unser Gründungslehrer stieß letztes Jahr durch eine Anzeige in der Erziehungskunst zu uns. Die Kollegen für die weiteren Fächer steigen mit viel Elan in die Waldorflehrerausbildung ein. Diese soll zukünftig auch direkt an unserer Schule möglich sein.

EK | Haben Sie einen besonderen pädagogischen Ansatz?

LM | Das Motiv der »Bewegung« wird sich durch alle Klassenstufen ziehen. Zusätzlich werden unsere Schüler naturnah und regional verbunden unterrichtet. Dies zeigt sich zum Beispiel in der täglichen Waldstunde in Klasse 1 und 2.

EK | Wie sehen Ihre Zukunftsperspektiven aus?

LM | In der Eifel wird alles Neue erst einmal lange betrachtet, bevor es gutgeheißen wird. Daher sind wir überrascht und dankbar, mit wie viel warmer Offenheit unsere Schule in der Region begrüßt wird. Wir wünschen uns für die Zukunft eine wachsende Verbundenheit mit unserer Heimat, wie auch mit allen anderen Waldorfschulen.

www.waldorfschule-eifel.de

Mörlenbach / Odenwald: Lernen durch sinnvolles Arbeiten

EK | Was führte zur Gründung Ihrer Initiative? 

Sophia Hutwanger | Es haben sich einige Familien mit Kindern im gleichen Alter und ähnlicher Gesinnung »zufällig« auf der Suche nach Antworten auf Erziehungsfragen gefunden. Wir wollten unserer wunderschönen Heimat nicht für den Waldorfschulbesuch tagtäglich den Rücken kehren und keine weiten Schulwege in Kauf nehmen. Es heißt: Für die Erziehung eines Kindes braucht es ein ganzes Dorf. Unsere Keimzelle sollte der Boden für etwas Neues werden, mehr als nur eine Schule.

EK | Was wollen die Eltern?

SH | Manche sind durch das naturnahe Konzept angezogen, andere natürlich durch die Waldorfpädagogik. Auch sehen viele ihre Kinder schlicht nicht in einer Regelschule oder wünschen sich sehnlichst individuellere Entwicklungsmöglichkeiten für ihre Kinder.

EK | Was ist der Stand heute?

SH | Derzeit laufen die Klassen 1–3. Nächstes Schuljahr dann 1–4. Es wird in klassenübergreifenden Lerngruppen unterrichtet. Wir sind dankbar für die Unterstützung durch die Gemeinde und die uns beherbergende Nachbarschule. Mit einem pädagogisch versierten Demeter-Gärtner bestellen wir unser erstes Feld, halten und versorgen eine vom Aussterben bedrohte Schafrasse, pflegen Bienen auf wesensgemäße Art und gestalten das Lern- und Lebensumfeld gemeinsam mit den Kindern.

EK | Woher kommen die Lehrer?

SH | Die Bewerbungen kommen aus der Gegend. Hier hilft uns die Nähe zur Hochschule in Mannheim. Es ist nicht einfach, erfahrene Waldorflehrer zu finden, die rechtlich notwendige Scheine mitbringen und die die Bereitschaft haben, einen Schulaufbau mitzutragen.

EK | Haben Sie einen besonderen pädagogischen Ansatz?

SH | Unsere Gründungsfrage »Was ist eine zeitgemäße Waldorfschule?« führte uns zur Handlungspädagogik. Wir gehen davon aus, dass Kinder im Grundschulalter alles nötige Wissen im Tun, das heißt im Spiel und in der Arbeit mit sinnvoll tätigen Erwachsenen, lernen können.

EK | Wie sehen Ihre Zukunftsperspektiven aus?

SH | Bei unserer Schulaufbauarbeit stoßen wir auf viele aktuelle gesellschaftliche Themen, die auch wir in unserer kleinen Gesellschaft bewegen. Dazu gehören: nachhaltig bauen, die uns anvertraute Erde nach Demeter- Standards bewirtschaften, Tieren einen wesensgemäßen Lebensraum bieten und den Kindern in unserem täglichen Umgang eine selbstverständliche respektvolle Haltung vermitteln. Darüber hinaus aber auch Themen wie faire Löhne, faire Schulbeiträge und Gemeinschaftsbildung. Unsere Veranstaltungen sind auch immer eine Einladung an die Öffentlichkeit.

www.freie-schule-laubenhoehe.de

Die Fragen stellte Mathias Maurer

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