Noch viel Luft nach oben. Blitzumfrage zum Thema Nachhaltigkeit

Von Mathias Maurer, April 2020

Mit einer Blitzumfrage wollten wir erfassen, was die deutschen Waldorfschulen in Sachen Nachhaltigkeit (schon) unternehmen. Dazu gehören Aspekte des Schulbetriebs, der Energiewirtschaft, der Ernährung, Architektur (Umbau / Neubau / Baustoffe), des Unterrichts (Themen und Praktika) und der Öffentlichkeitsarbeit (Leitbild). Der Fragebogen ging an alle deutschen Waldorfschulen und sie hatten nur knapp vier Wochen Zeit, auf 21 Fragen zu antworten. 29 Waldorfschulen haben geantwortet, vielen Dank dafür. Hier eine vorläufige Bilanz, die keinen Anspruch auf Repräsentativität erhebt.

Cartoon: © Renate Alf

1. Schulbetrieb

Zum Schulbetrieb gehören auch die Geldgeschäfte. Ein starkes Drittel achtet konsequent darauf, Kunde bei einer nachhaltig arbeitenden Bank zu sein, ein weiteres Drittel teilweise. Die Unterrichtsmaterialien sind nicht durchgängig nachhaltig, bei zwei Drittel teilweise, bei einem Drittel konsequent. Eine ähnliche Verteilung gibt es bei Putzmitteln, mit zwei Ausreißern, die nicht darauf achten. Bei der Inneneinrichtung achtet die Hälfte auf volle Nachhaltigkeit, die andere Hälfte teilweise.

2. Energie

Die Kriterien eines Passivhauses erfüllt keine der Schulen in vollem Umfang – zwei teilweise. Ökostrom und Windgas als Energiequelle liegen mit zwei Dritteln ziemlich weit vorne. Brauch- und Trinkwasser werden in fünf Fällen getrennt, Regenwasser wird in drei Fällen aufbereitet, in vier Fällen teilweise. Das Abwasser wird von keiner Schule aufbereitet. Toiletten und Garten profitieren nur in zwei Fällen vom Regenwasser. Geheizt wird überwiegend mit Gas (13) oder Fernwärme (6), Holz (3), Holzschnitzel (1) und Pellets (1). Jeweils ein Blockheizkraftwerk und eine Photovoltaikanlage sind in Betrieb.

3. Bau

Beim Neubau erfüllt mehr als die Hälfte der Schulen in vollem Umfang baubiologische Kriterien, etwa ein Drittel teilweise. Bei Umbau oder Sanierungen kehrt sich dieses Verhältnis um.

4. Ernährung

Alle Schulen verwenden biologisch angebaute Nahrungsmittel, vier davon teilweise. Ebenfalls die Mehrheit (18) achtet auf regionale Produkte, zehn davon teilweise. Zwei Drittel der Schulen können dabei teilweise auf ihren Schulgarten zurückgreifen.

5. Unterricht

Feste Nachhaltigkeits-Epochen oder -Projekte gibt es an elf Schulen; ebenso viele bieten sie teilweise an. Der Nachhaltigkeitsgedanke fließt jedoch vollumfänglich bei zwölf Schulen in den regulären Unterricht ein, bei 17 Schulen teilweise. Zwei Schulen nehmen sogar regelmäßig an Nachhaltigkeitswettbewerben teil.

6. Schulprofil

Bei drei Schulen gehört Nachhaltigkeit zum ausgewiesenen Profilmerkmal in ihrem Leitbild, mit dem sie auch öffentlich werben, sechs Schulen arbeiten teilweise damit, die Mehrheit (20) nicht. Zwei Schulen haben einen Beauftragten, der sich um Nachhaltigkeitsfragen kümmert.

Allgemeine Anmerkungen

An einer Schule wurde eine Arbeitsgruppe Klimaschutz und Nachhaltigkeit eingerichtet, an einer weiteren ein Klimarat. An einer Schule wurde die Schülerfirma » basic­unverpackt « gegründet.

Fazit

Welche Nachhaltigkeitsziele kann sich eine Schule setzen? – Zu berücksichtigen ist bei der Formulierung solcher Ziele sicherlich, zwischen kurz-, mittel- und langfristigen Perspektiven zu unterscheiden. Man kann sofort inhaltliche Maßnahmen im Unterricht ergreifen, vor allem in der Oberstufe; ebenso rasch können kleine Maßnahmen wie zum Beispiel ein nachhaltiges Müllmanagement (Plastik und Papier) umgesetzt werden oder intelligente Steuerungssysteme dabei helfen, den Wasser- und Energieverbrauch zu senken. Hier könnten die Hausmeistereien ihre Nachhaltigkeitsexpertise erweitern. Dazu gehören nicht zuletzt – mit Blick auf die morgendliche chaotische Verkehrssituation vor den Schulen, die durch den Individualverkehr entsteht – auch die Schülertransporte. Je tiefer die Maßnahmen eingreifen, desto kostspieliger werden sie; diese sind nur in größeren Zeitzyklen umsetzbar (Sanierung / Um- oder Neubau).

Insgesamt sind die Schulen in Sachen Nachhaltigkeit bei der Inneneinrichtung / Materialien, Ernährung und beim Bezug von alternativen Energien (Ökostrom / Windgas) gut aufgestellt. Keine einzige Ölheizung ist in Betrieb, allerdings auch kaum Photovoltaik- oder Solaranlagen. Unterrichtlich sind sie durch den Gartenbau und die Landwirtschaftspraktika sowie im allgemeinen Lehrbetrieb nah am Thema dran – der ganzheitliche Ansatz der Waldorfpädagogik legt dies auch nahe. Ebenso achtet man bei Neubau und Sanierung auf die Verwendung baubiologischer Stoffe. Das Thema Nachhaltigkeit ist jedoch kein werbewirksames Kriterium für die Öffentlichkeitsarbeit und das Leitbild, wenn in diesem Punkt noch viel Luft nach oben ist. Falls Ihre Schule Erfahrungen mit vorbildhaften Nachhaltigkeitsprojekten gemacht hat, sind Sie herzlich eingeladen, in der Erziehungskunst darüber zu berichten.

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