Olympische Spiele in Indien

Von Jyotsna Patnaik, Juni 2013

Die olympischen Spiele sind eines der wichtigsten Ereignisse in der fünften Klasse der Waldorfschulen, die überall mit Spannung erwartet werden. Auch in Indien stehen sie im Mittelpunkt dieses Jahrgangs.

Rudolf Steiner hat eine Parallele zwischen der Seelenverfassung der Fünftklässler und jener der antiken Griechen gezogen. Zu dieser Zeit herrschen Anmut, Schönheit und Gleichgewicht im Weltbild und Erleben des Kindes vor. Die indische olympische Tradition begann im Jahr 2005. Die Tridha-Schule in Mumbai lud die damals einzige weitere Waldorfschule in Indien, die Sloka-Schule, ein. Die Tridha-Schule organisierte die Wettkämpfe: Hundertmetersprint, Speerwerfen, Diskuswerfen, Weitsprung und Hürdenrennen. Die olypmischen Spiele fanden auf dem Schulgelände statt und 50 Kinder nahmen an ihnen teil. Einen ganzen Tag lang schauten Zeus und Hera vom Olymp den Kindern zu und am Ende wurden für Anmut und Siege Kränze und Medaillen verteilt. Die Tradition gibt es noch heute, nur dass 2013 sieben Schulen teilnahmen und die Sloka-Schule die Organisation übernahm.

Die auswärtigen Kinder und Lehrer wurden in der Sloka-Schule untergebracht. Die nunmehr 142 Kinder versammelten sich auf dem Gelände und die verschiedenen Teams wurden aufgerufen. Sie repräsentierten Sparta, Athen, Ithaka und Kreta. Zeus und Hera standen auf dem Olymp und sahen wohlwollend auf die vier Städte herab, deren Abgesandte sich als Prozession von Priestern, Speerträgern und Soldaten auf sie zu bewegten. Die Olympioniken stellten sich vor den Göttern auf, priesen Zeus und trugen ihm einen Lobgesang vor. Daraufhin erklärte er die Spiele für eröffnet. Die versammelten Bürger priesen den glorreichen Gott des Lichtes, Apollo, und brachten ihm Steine, Wasser und Orangen als Opfer dar. Danach wurde das olympische Feuer entzündet. Die Schiedsrichter legten ihre Eide ab und das Fest begann unter den frenetischen Begeisterungsrufen der Zuschauer. Am Anfang stand der Hürdenlauf der Städte, es folgten zwei Runden Speerwurf, Diskuswurf und Weitspringen. Danach versammelte man sich zum Mahl, bevor es dann in die letzte Wettkampfrunde ging. Zum Abschluss paradierten die Kämpfer aller Städte und in Gegenwart der Götter wurden die Siegerkränze verteilt. Zwar waren Geschwindigkeit und Körperbeherrschung wichtig, aber noch wichtiger waren Anmut und Sportsgeist. Die Gewinner erhielten Kränze und alle teilnehmenden Kinder zur Erinnerung eine Medaille. Wieder erklangen Lobgesänge auf Zeus und er erklärte die Spiele für beendet. Sieben Schulen nahmen an den Wettkämpfen teil: Diksha, Abhaya, Tridha, Prerna, Sandeepani, die Bangalore Steiner School und Sloka. Sandeepani ist eine Schule für Kinder mit besonderem Förderbedarf. Am Abend ruhten die »Kämpfer«, um am nächsten Tag frisch gestärkt Hyderabad, die gastgebende Stadt in diesem Jahr, zu besichtigen.

Zur Autorin: Jyotsna Patnaik ist Klassenlehrerin an der Hyderabad Waldorf School, an der sie seit 1998 unterrichtet. Sie ist außerdem in der Lehrerbildung am Rudolf Steiner Training College in Hyderabad tätig.

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