Rhythmisch arbeitende Technik

Von Alexander Heinz, Oktober 2014

Der Wert der Geometrie liegt nach Plato nicht nur in ihrer praktischen Anwendbarkeit, sondern vor allem darin, die Seele zur Wahrheit zu erheben. Der praktische Nutzen steht heute im Vordergrund.

Der andere Aspekt der Geometrie wird jedoch auch gepflegt, zum Beispiel an Waldorfschulen. Und dies mit Recht! Die Biographie von Paul Schatz (1898-1979) kann leuchtende Beispiele dafür liefern, wie aus dem Quell des Staunens und der genauen Beobachtung der Weg zu neuen Entdeckungen und neuartigen technischen Anwendungen gegangen werden kann.

Paul Schatz nahm zunächst ein naturwissenschaftliches Studium auf. Weil ihn das innerlich nicht befriedigte, ließ er sich zum Holzbildhauer ausbilden. Dieser Weg führte ihn an das Goetheanum nach Dornach, wo er sich dauerhaft niederließ.

Sein lebenslanges Streben galt der Frage, wie die Aufbaukräfte, die er in der Natur und auch im künstlerischen Schaffen wahrnahm, sich mit den Arbeitsprozessen der Technik verbinden lassen, die immer durch einen Abbau oder Verbrauch in Gang gesetzt werden. Dieser einfache und naheliegende Gedanke führte ihn in technisches Neuland. Ein wesentlicher Aspekt war seiner Beobachtung nach das Rhythmische Prinzip, das allem Lebendigen inne wohnt (in der Unterscheidung zum Arbeits-Takt der Maschine).

Die Entdeckung, dass der Würfel und letztlich alle Raumgebilde sich umstülpen lassen, führte ihn schließlich zu der Entwicklung einer neuartigen, rhythmisch arbeitenden Technik, zu der er auch die Patente erhielt. Die in dem lesenswerten Buch versammelten Aufsätze entstanden aus einer Korrespondenz mit Architekten über grundsätzliche Fragen zu Gesetzmäßigkeiten des Raums. Ein Motto seiner Arbeit formulierte er so: »Suche, was Du ungesucht magst finden«.

Paul Schatz entwickelt seine Gedanken stets an einfachen Fragen, die keine fachlichen Kenntnisse voraussetzen. So wird ihm jeder Interessierte gut folgen können, zumal seine Sprache einfach und prägnant ist. Die Aufsätze werden ergänzt durch Arbeiten von Menschen, die den Faden von Paul Schatz aufgegriffen haben: Robert Byrnes, Dieter Junker, Fred Voss, Eva Wohlleben und Matthias Mochner, der das Buch sorgfältig, geradezu gediegen herausgegeben hat.

Paul Schatz: Architektur und Umstülpung: Studien zum organisch-dynamischen Raumbewusstsein. Ein Schulungsweg für Architekten, geb., 431 S., EUR 58,–, Verlag am Goetheanum, Dornach 2013

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