Am Idealismus gescheitert

Von Solveig B. Müller, November 2010

Als ich den Titel las, freute ich mich auf eine geisteswissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Ideal in uns, der Idee, die wir aus dem vorgeburtlichen Leben mitbringen und der wir hier auf Erden begegnen möchten, um sie erfolgreich in unserem Umfeld umzusetzen. Leider findet sich diese Auseinandersetzung aber nicht im vorliegenden Buch.

Ausgehend von den Biografien besonderer Menschen, nähern sich die Autoren der Frage: Was ist Idealismus und wie wird ein Mensch Idealist? Sie setzen sich auseinander mit verschiedenen Ausdrucksformen und Rollen des Idealisten.

Leider bleiben die Autoren sehr ungenau bei ihrer Definition des Idealisten. Der Idealismus entstammt dem Funken des Guten im Menschen. So die Autoren. Hin und wieder blitzt in den Beschreibungen der geistige Aspekt des Idealismus, der Menschwerdung, der christliche Weg zu mehr Brüderlichkeit auf und es war für mich spürbar, dass die Autoren darum ringen.

Einen großen Raum nimmt die Auseinandersetzung mit den Widerständen gegen den Idealismus ein. Es wird sehr gut beschrieben, wie die Widersacher wirken können. An aktuellen Beispielen mangelt es nicht. Die Abgrenzung, was ein Idealist darf, um seine Ziele zu erreichen, ist sehr schwammig. Er darf vor allem keine strafbaren Handlungen begehen. Insofern erübrigt sich eine Diskussion, ob ein »Idealist« jemandem Torten oder Schuhe ins Gesicht werfen darf, mit Farbsprays gegen Pelzträger vorgehen darf usw.

Der zweite Teil des Buches widmet sich der Frage, wie eine ideelle Organisation oder Firma aufgebaut wird, welche Hindernisse zu überwinden sind, welche Zyklen es in der Firmenentstehung und -entwicklung gibt. Es geht hier um rein betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte, die knapp und lehrbuchmäßig zusammengetragen werden. Der einzige Unterschied ist, dass es sich hier um Firmen mit dem Tätigkeitsschwerpunkt des Umweltschutzes, um soziale Einrichtungen handelt. Inwieweit sich eine »ideelle« Firma von einer »kommerziellen« unterscheidet, ist mir durch dieses Buch nicht klar geworden. Jede Firma, die sich gründet, hat eine Idee, Produkte, oder Dienstleistungen anzubieten, die nach ihrer Auffassung auf diesem Planeten gebraucht werden.

Ich habe keine Idee, an wen dieses Buch sich eigentlich wendet. Wer auf der Suche nach seinem Ideal ist und eine gedankliche Auseinandersetzung braucht, der wird darin kaum fündig. Wer ein Idealist ist und seine Ideen als Geschäftsmann in eine Form gießen will, für den gibt es den einen oder anderen Hinweis, welche Fallen er beseitigen oder umgehen sollte. Für mich wirft das Buch mehr Fragen auf, als es Antworten gibt. Vielleicht ist das ja Absicht.

Franz Christian Lucke, Ferdinand van Koolwijk, Der erfolgreiche Idealist. 205 S., EUR 19,90. W. Bertelsmann Verlag Bielefeld

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