Aufklärung für den Zauberlehrling

Von Maja Rehbein, Juli 2013

Goethes Gedicht vom Zauberlehrling, der den Kräften, die er entfesselte, nicht gewachsen war, trifft auf uns alle zu. Doch wir ahnen das nur ansatzweise! Das Buch »Ware Mensch« trägt zur Klärung bei. Es gliedert sich in vier große Teile. Der erste schildert Fakten zur Ausgangslage, dem »noch relativ unbeschwerten Leben und seinen Gefährdungen«. Der Teil »Verkettet und getrieben« berührt das Problem der rasanten wissenschaftlich-technischen Entwicklung, mit der Ethik und Moral nicht Schritt halten. Die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in bitterster Armut, da in der globalisierten Handelswelt die Löhne möglichst niedrig gehalten werden. Die Zinswirtschaft bringt besonders viel Unglück. Zudem neigt die Technik dazu, sich selbstständig zu machen, wie der Besen im »Zauberlehrling«. Das ist an der fulminanten Entwicklung der Gentechnik erfahrbar. – Muss sich der Mensch an die Technik anpassen? Im dritten – erschütternden – Teil geht der Autor auf Menschenhandel, Pharmasklaven und die Vermarktung des Körpers ein. Wie können wir einen Wandel bewirken? Das Wichtigste ist, sich den Zustand der Welt bewusst zu machen. Die ausschließlich materielle Sichtweise muss überwunden werden. Drei Menschen werden im letzten Teil vorgestellt: Johan Galtung ist optimistisch, »dass gute Ideen gute Kräfte in Bewegung setzen«. Heidemarie Schwermer lebt fast ohne Geld! Hier wird besonders deutlich, wie ein erster Schritt schon viel bewirken kann. Der Mediengestalter Jan Temmel rückt die Wirkung der Natur auf den Menschen in den Blickpunkt. Das Buch ist jedem zu empfehlen, der sich über die globale Lage orientieren will. Es ist Anklage und Augenöffner zugleich.

Ware Mensch – In den Ketten des Geldes. Mit Beiträgen von Johan Galtung, Peter Krause, Heidemarie Schwermer, Jan Temmel und Wolfgang Weirauch, Paperback, 192 S., EUR 16,–, Flensburger Hefte 119, I/2013

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