»Denn sie wissen, was sie wollen …«

Von Helmut Fiedler, März 2020

Eltern mit schulpflichtigen Kindern in Deutschland wissen, was sie wollen, aber den Wünschen wird nicht stattgegeben. Denn für die Eltern und die Bildungspolitik stehen ganz unterschiedliche Themenfelder im Mittelpunkt, lautet ein Ergebnis der Elternstudie.

Das andere ist, dass Schulen in freier Trägerschaft deutlich von Eltern favorisiert werden. Der Auftraggeber dieser Studie war zwar der Bund der Freien Waldorfschulen, aber die im Januar 2019 befragten Eltern stellen eine repräsentative Auswahl dar – 86 Prozent der Befragten haben ihr Kind an einer öffentlichen Schule. Von den 14 Autoren stammen acht aus dem Waldorfbereich. Die Beispiele für die große Diskrepanz zwischen Eltern-Wünschen und pädagogischem Alltag sind zahlreich. Beispielhaft dafür: Nur 21 Prozent der Eltern wollen, dass eine Schule genau nach Lehrplan vorgeht – aber 72 Prozent der Eltern finden, dass öffentlichen Schulen genau das tun, während nur sechs Prozent dies Schulen in freier Trägerschaft zuschreiben. 91 Prozent der Eltern wollen, dass eine Schule individuellen Unterricht leistet, was aber nur 18 Prozent der Eltern an öffentlichen Schulen als erfüllt ansehen. In Konsequenz würden 48 Prozent der Eltern ihr Kind an eine Schule in freier Trägerschaft schicken, wenn die Kosten sowie die Entfernung im Vergleich zur öffentlichen Schule identisch wären; 40 Prozent würden ihr Kind an einer öffentlichen Schule belassen. Wünsche, die bei den Eltern in Deutschland ganz weit oben stehen: 93 Prozent wollen, dass sich die Schüler zu selbstbewussten Persönlichkeiten entwickeln; 90 Prozent wollen auch praktische / musische / künstlerische Kenntnisse sowie Erfahrungen für die Schüler; 76 Prozent finden, die Schulen müssten sich an den Bedürfnissen der Schüler ausrichten. Auch bei dem in der Bildungspolitik als wichtig angesehenen Digital-Pakt gehen die Wünsche und Vorstellungen der Eltern in eine andere Richtung: 88 Prozent wollen gleichzeitig mehr Geld für die Förderung der Kreativität; 54 Prozent sind für die PC-Nutzung erst ab Klasse 5 (21 Prozent für die Nutzung ab Klasse 1); 85 Prozent sprechen sich für ein Handy-Verbot an Schulen für Schüler unter 16 Jahren aus. Ein Digitalisierungs-Hype sieht anders aus … In dem äußerlich schmalen Band finden sich noch zahlreiche Artikel zu verschiedenen Aspekten der Befragung: Wie haben sich die elterlichen Erwartungen in den letzten Jahrzehnten gewandelt? Wie wird die Elternkooperation gesehen? Wie positionieren sich die Eltern zur schulischen Inklusion? Was sind die Präferenzen in der Schulfinanzierung? Was hat es mit dem Bildungsgutschein auf sich? Den Abschluss des Buches bilden vier Praxisbeispiele. Das Buch bietet eine lohnende und interessante Lektüre, die nur leicht durch kleine Redundanzen und erheblich durch die Gender-Schreibweise beeinträchtigt wird.

Barz Heiner (Hrsg.): Bildung und Schule – Elternstudie 2019. Einstellungen von Eltern in Deutschland zur Schulpolitik, 178 S., brosch., EUR 24,90, Waxmann Verlag, Münster / New York 2019

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