Der Lehrer ist entscheidend fürs Lernen

Von Frank Dvorschak, Oktober 2011

Hirnforscher haben in den letzten Jahren immer wieder einen neuen Blick auf die Schule und deren Ziele geworfen. Man denke an Manfred Spitzer, Gerald Hüther oder Joachim Bauer. Auch Gerhard Roth, Professor für Verhaltensphysiologie und Entwicklungsneurobiologie am Institut für Hirnforschung der Universität Bremen gehört zu ihnen. Schon lange ist ja bekannt, dass die Schule nicht nur dafür da ist, die Schüler mit Wissen abzufüllen, sondern dass dort Fähigkeiten geübt und Kompetenzen, Qualitäten erlernt werden, die für das Menschsein und das Zusammenleben wichtig sind. Das bestätigen diese Hirnforscher mehr oder weniger einmütig.

Roth informiert zuerst über die neuesten Forschungsergebnisse in einer auch für Laien klar verständlichen und übersichtlichen Weise. Wie kommen Emotionen, das Bewusstsein, Lernvorgänge zustande? Wie arbeitet das Gedächtnis auf verschiedenen Ebenen? Roth formuliert ein neurobiologisch inspiriertes Modell der Persönlichkeit, beschreibt die Intelligenz und erörtert, ob sie beeinflusst, ob sie überhaupt sinnvoll gemessen und eingestuft werden kann. Aus den Ergebnissen der Hirnforschung ergeben sich verschiedene Schlussfolgerungen für die Schule und die Berufsausbildung. Den Erfolg des Unterrichts bestimmt in erster Linie das Sosein des Lehrers, Roth spricht von seiner Ausstrahlung. Neben der fachlichen Ausbildung sind deshalb sein Selbstentwicklungspotenzial und seine Kommunikationsfähigkeit wichtig. Seine Autorität darf nicht im Zweifel stehen. Der Lehrer muss aber auch die Persönlichkeit des Schülers wahrnehmen und auf diese eingehen, um sie erfolgreich zu fördern. Eine tragfähige Beziehung zwischen beiden ist unerlässlich. Roth zweifelt – wie auch viele Erziehungswissenschaftler – am Erfolg irgendwelcher didaktischer Methoden. Der vielfältige Methoden- und Wertewechsel in der wissenschaftlichen Diskussion, den er beschreibt, bekräftigt diese Ansicht.

In einem Anhang gibt Roth Ratschläge zur Verbesserung der Gedächtnisleistung, die zum Teil schon aus dem Altertum stammen. Das Buch informiert sehr gut über die Hirnforschung und davon ausgehend über die Schule, wie sie sein sollte. Vieles, was an der Waldorfschule selbstverständlich ist, wird dadurch bestätigt. 

Gerhard Roth: Bildung braucht Persönlichkeit – Wie Lernen gelingt, geb., 355 S., 19,95 Euro. Klett-Cotta, Stuttgart 2011

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