Die Bildersprache der Märchen entschlüsselt

Von Maike Horstmann, September 2010

Erstaunlich und erfreulich zugleich ist, dass sich Märchen grundsätzlich großer Beliebtheit erfreuen – nicht nur bei Kindern. Während diese meist unvoreingenommen lauschen, wollen wir Erwachsenen mehr erfahren, wollen wissen, was hinter einem Märchen steht, und suchen nach Antworten. In seinem Buch gibt Marcus Kraneburg Anregungen, wie man sich der Bildersprache der Märchen nähern kann. Dabei schöpft er aus reichen geisteswissenschaft­lichen Einblicken und führt den Leser schrittweise durch die einzelnen Bilder der bekannten Grimmschen Märchen. Er wartet dabei nicht mit Sensationen auf, sondern mit solider Grundkenntnis, die er dem Leser klar vermittelt. Besonders hilfreich ist, dass der Originaltext des besprochenen Märchens mit abgedruckt ist. Wie im Untertitel erwähnt, handelt es sich um ein Arbeitsbuch, das Eltern, Erzieher und Lehrer anregen soll, Märchen zu erzählen.

Besondere Beachtung hat das Geleitwort von Christof Wiechert verdient. Er weist darauf hin, dass wir heute in einer Kultur der Bilder leben und doch der Bildersprache der Märchen oft hilflos gegenüber stehen. »Es war einmal ein König und eine Königin …« stellt keine platte Illustration dar, sondern ist eine Formulierung, die in Geheimnisse des Lebens einführt. Deshalb sind Märchen eine Lebensschulung von Anfang an.

Marcus Kraneburg: Grimmsche Märchen als Spiegel der Seele. 183 S., geb. EUR 19,80. Verlag Johannes M. Mayer, Stuttgart 2008

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