Digitale Gesundheitsgefährdung

Von Till Reckert, November 2016

Der letzte Bestseller von Spitzer zu diesem Thema (»Digitale Demenz«) ist gerade drei Jahre alt, wurde in 26 Sprachen übersetzt und weltweit gelesen.

Spitzer trotzte einem Shitstorm (»Krawallpsychiater«, »Sarrazin der Medienpädagogik«) und arbeitete nahtlos weiter: Wieder warnt er pointiert vor Risiken und Nebenwirkungen eines exzessiven Medienkonsums auf lernende Gehirne insbesondere unserer Kinder und Jugendlichen. Jetzt geht es ihm nicht um den geistigen Abstieg (De-Mens), der früher spürbar werde, wenn man vorher nicht ordentlich selbst lernend geistig aufgestiegen sei. Er referiert neue und neueste Forschungsergebnisse über die direkten gesundheitsschädigenden Auswirkungen digitaler Technik und behandelt von einer suchtmedizinischen Perspektive aus, warum wir sie trotzdem auch in unserer Freizeit ständig benutzen. Behandelt werden dabei im wesentlichen folgende Kapitel: Störungen der kindlichen Sinnes- und Motorikentwicklung, Ablenkung und Aufmerksamkeitsstörung, Verlust der Langeweile, Empathieverlust, Sucht, Angst, Depression, Schlafstörungen, Adipositas und der Zusammenhang modernster digitaler Technik (Smartphones, soziale Netzwerke …) mit diesen Zivilisationskrankheiten.

Fast überwältigend ist die große Anzahl der zitierten Studien. Sucht man diese in den medizinischen Literaturdatenbanken auf, bemerkt man, dass Spitzer keine Minderheitenposition vertritt, wenn er aus einer wissenschaftlichen, an der Kindesentwicklung orientierten Sicht vor zu frühem Mediengebrauch warnt.

Es geht ihm dabei nicht nur um den offensichtlichen Medienmissbrauch, sondern auch um die Folgen scheinbar gelingenden Gebrauchs.

Manfred Spitzer: Cyberkrank! Wie das digitalisierte Leben unsere Gesundheit ruiniert, geb., 432 S., EUR 22,99, Droemer, München 2015

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