Ein Garten voll Überraschungen

Von Heinrich Schirmer, März 2014

»Gärten der Zukunft« ist außerordentlich reich mit gelegentlich berauschend stimmungsvollen Fotos ausgestattet. Der Leser wird sich wie auf einem genüsslichen Spaziergang über eine blühende Wiese vorkommen. Hunderte von farbigen, duftenden Blumen werden seine Sinne erfrischen und sein gedankliches Interesse wecken.

Christoph Kaiser geht auf die Aspekte von Entwicklung und Erziehung ein. Von der Kindergartenzeit bis zur Oberstufe reichen die Schilderungen verschiedener Kollegen, die in ihren jeweiligen Einrichtungen Orte zu schaffen suchen, an denen Kinder und Jugendliche praktische, elementare Erfahrungen an der Natur machen können. Eindrucksvoll ist das Kapitel des Kinderarztes David Martin, der sich mit der medizinisch-wissenschaftlichen Perspektive des Gartenbaus auseinandersetzt. Er geht ausführlich auf das Potenzial ein, das in diesem Fach freigesetzt werden kann: Es ermöglicht kontextualisiertes naturwissenschaftliches Lernen, stärkt Liebe zur Natur und fördert die Geschicklichkeit.

Dass der Gartenbau auch gesundende Wirkungen in heilpädagogischer Hinsicht hat, verwundert deshalb nicht. Patrick Becker untersucht am Beispiel der Burghalde, einer Heim-Schule für seelenpflegebedürftige Kinder im Nordschwarzwald, wie der Garten als Bewegungsraum und Aufgabenfeld wirkt und welche Rolle dem Gartenbaulehrer zukommt. Wie die Schüler konkret begleitet, die Sinne geschult werden können und der Spaß nicht auf der Strecke bleiben muss, entfaltet kurzweilig ein weiteres Kapitel. Auch die Praxis des pädagogischen Gartenbaus zwischen Pflege, Produktion und Projekt wird ausführlich dokumentiert. Wir lesen von der Fruchtfolge, der Ernte und Verarbeitung, der Garten- und Geländepflege oder der Veredelungsepoche im 10. Schuljahr. Die Tierhaltung und die verschiedenen Praktika, mögliche Alternativen und Ergänzungen zum bestehenden »klassischen« Gartenbauunterricht und die Bedeutung der begleitenden Fächer werden ebenso gründlich erläutert wie die biologisch-dynamischen und kosmischen Grundlagen. Es scheint naheliegend, das Buch »Gärten der Zukunft« allen Gartenbaulehrern anzuempfehlen. Aber das wäre ein viel zu eingeschränkter Leserkreis. Die Eltern der Waldorfschüler, ja, womöglich die Jugendlichen selbst, erhalten beim Lesen Aufschlüsse und Einblicke, die sie wie jeden an Ökologie und Pädagogik Interessierten staunen machen werden. Und schließlich: Die Kollegen an einer Waldorfschule, die selbst nicht Gartenbau unterrichten, werden aus diesem Buch für ihr eigenes Fach überraschend viel lernen können.

Christoph Kaiser (Hrsg.): Gärten der Zukunft: Pädagogischer Gartenbau an Waldorfschulen, geb., 360 S., EUR 39,90, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2013

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