Eine aufrüttelnde Botschaft

Von Thomas Stöckli, September 2010

Die Autorin ist eine Lehrerin, die in einem Amoklauf ihre Tochter Nina, eine angehende Lehrerin, verlor. Es war dies am 11. März 2009 an der Albertville-Realschule in Winnenden, als fünfzehn Menschen von einem siebzehnjährigen Amokläufer erschossen wurden. Die Mutter erinnert sich, wie sie mit ihrer Tochter früher über Erziehung, das heutige Schul­system und die Not vieler Jugendlicher diskutierten. Dieses Gespräch führt Gisela Mayer nun als inneren Dialog mit ihrer verstorbenen Tochter weiter. Sie plädiert dafür, den Amoklauf als Symptom einer Krise unserer Gesellschaft, unserer Familien und unseres Schulsystems zu verstehen. Zusammen mit andern betroffenen Eltern engagiert sie sich auch auf politischer Ebene für Gewaltprävention, mehr Sensibilisierung von Eltern für den Medienkonsum ihrer Kinder und ein Verbot sogenannter »Killerspiele«. Diese Anliegen werden im Buch kompetent begründet. Doch die Botschaft geht noch tiefer: Es geht um die Menschlichkeit in unserer Gesellschaft, nicht als allgemeine Forderung formuliert, sondern im Konkreten ausgeführt: Zuhören können, Empathie lernen in der Familie, bewusster Umgang mit den Medien. Gisela Mayer will einen gesellschaftlichen Dialog anregen, wie das Schulsystem davon wegkommen kann, Menschen nach Leistungen zu selektieren, und Raum zu schaffen für die Entfaltung des Individuums. Ihre Frage ist: Sind wir bereit die Schulen neu zu denken, damit Menschlichkeit, individuelle Entwicklung, Zeit der Lehrer für die Schüler mehr Platz finden. Ein empfehlenswertes und bewegendes Buch für Eltern, Lehrpersonen und Politiker und alle, denen eine menschenwürdige Zukunft am Herzen liegt.

Gisela Mayer: Die Kälte darf nicht siegen. Was Menschlichkeit gehen Gewalt bewirken kann. 221 S., geb. EUR 19,95. Ullstein Verlag, Berlin 2010

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