Formenzeichnen

Von Thomas Verbeck, September 2020

Der Herausgeber beschreibt das hier vorgelegte Arbeitsbuch Formenzeichnen: »Wenn du einmal damit angefangen hast, ist es eine wunderbare Beschäftigung, durch die sich deine Kreativität immer weiter entfalten kann. Entdecke eine neue Welt aus Form, Farbe und Bewegung!«

Wer unter diesem Titel einen neuen Kreativratgeber vermutet, eine Anleitung, sich selbst durch eigene Übungen zu zentrieren, liegt nicht ganz falsch. Gerade in Coronazeiten mit Homeoffice und Onlinetätigkeit ist das beste Eigentherapie.

Als das Buch entstand, dachte niemand an Corona. Es wurde ursprünglich für Lehrer an Waldorfschulen in den Niederlanden geschrieben. Es ergänzt und bereichert die waldorfpädagogische Literatur zum künstlerischen Unterricht im Klassenlehrerbereich. Ziel ist es, Lehrer, seien sie nun schon jahrelang tätig oder noch in der Ausbildung, zu einem eigenen regelmäßigen Üben anzuregen, phantasievoll eigene Unterrichtsideen zu entwickeln und dadurch dem Formenzeichnen als Unterrichtsthema die gebührende methodische Frische zuteilwerden zu lassen, die diese Kunst verdient und aus der sie ihre gesundmachende Kraft schöpft. In 19 Arbeitsschritten werden die Facetten des Formenzeichnens ausgebreitet und methodisch aufeinander aufbauend entwickelt. Die Abbildungen sind immer Zeichnungen im Prozess, die sich selbst erklären, etliche mögen bekannt sein, viele sind allerdings neu und verblüffen durch ihre Schlichtheit. Wer wäre schon darauf gekommen, einen geflochtenen Teppichklopfer als Beispiel für eine Form zu wählen? Die Schlichtheit ist der springende Punkt: Sehen lernen und erkennen, das müssen wir immer wieder, Kinder wie Erwachsene. Erklärende Texte sind auf das Wesentliche reduziert, dafür dreisprachig: englisch, niederländisch, deutsch, die Titel zu den Kapiteln in elf Sprachen. Lehrerbildung findet weltweit statt, Waldorflehrerausbildung sowieso. Dick Bruin war viele Jahre Klassen- und Oberstufenlehrer an verschiedenen niederländischen Waldorfschulen und leitete zusammen mit Hildegard Berthold-Andrae (†) und Peter Schiefer (†) die Ulmer Maltagungen; seine Tätigkeit in der Lehrerbildung führte ihn zuletzt regelmäßig nach Taiwan. Fazit: Ein reichhaltig gefülltes Arbeitsbuch, eine Fundgrube nicht nur für Klassenlehrer, ach ja, auch für den gestressten Unternehmer, Banker und Rechtsanwalt, der für sich eigene Ruhe- und Konzentrationsräume schaffen will, ohne große Vorbereitung wohlgemerkt. 

Dick Bruin: Vormtekenen, 134 S., Pb., EUR 22.50, ABC-Verlag, Doen 2020, https://www.abc-antroposofie.nl

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